Berlin : Gut zu Huf

Beim „Quadriga Day“ auf der Trabrennbahn Mariendorf zeigte sich die harte Wirklichkeit römischer Rennfahrer

Till Schröder

Musik aus dem Filmklassiker „Ben Hur“ kündigte sie an: Acht römische Streitwagen rumpelten auf die Trabrennbahn Mariendorf. Und doch ist in Wirklichkeit alles ein wenig anders als im Film. Es riecht nach Pferdeschweiß. Die Wagen gleiten nicht, sie kleppern und scheppern, wenn sie in Trabgeschwindigkeit heranfahren. Im Galopp donnern die Holzräder. Sie sind ungefedert und liegen auf der Trabrennbahn von Mariendorf bretthart wie Leiterwagen.

Es war eine Premiere: das erste römische Wagenrennen in Berlin. Vor dem Rennen konnten die Besucher eine rumpelnde Runde mitfahren, und der Andrang war groß. Viele der rund 18 000 Besucher waren beim Kamelrennen in Hoppegarten das letzte Mal auf einer Pferderennbahn. „Komm rauf, Mädl“, sagte der Lenker „Bare Footy“ lässig. „Ah, ein typischer Römer!“, rief einer aus der Warteschlange zurück .

Bare Footy heißt eigentlich Klaus Dieter Hufgard und wohnt bei Aschaffenburg. Er ist Pferdeprofi wie die anderen Lenker. In einer Sondereinlage ritt er vor dem Publikum auf und ab, riss dabei den Sattel vom Pferd und legte ihn wieder zurück. Die Lenker geben sich allesamt markig. Wenn die Lenker mit über 60 Stundenkilometer über die Bahn stauben, stehen sie breitbeinig und nach vorn gebeugt – wie im Bus, wenn weder Sitzplatz noch Haltegriff erreichbar sind.

Im echten Leben sind sie Stuntmen, Hufschmiede oder Kutscher, so wie der Österreicher „Drusus“. Drusus fuhr vor 32 Jahren sein erstes römisches Wagenrennen. Ansonsten sitzt er bei Postkutschenreisen von Deutschland nach Verona auf dem Kutscherbock. Seine Hengste recken die Köpfe und tippeln nervös.

Unter Wettern gilt Drusus als Favorit. „Hengst oder Wallach ist mir egal“, sagt einen rundliche Dame. „Hauptsache männlich. Und wie flach der Bauch von dem Wallach ist.“ Auch der gut gearbeitete Holzwagen mit den Gummimessern auf den Radnaben, das glänzende Geschirr und das wohlgeformte Lederharnisch von Drusus überzeugen sie.

Neben der Rennbahn wurden den Besuchern historisches Handwerk und Musik geboten. Allerdings taten sich die römischen Zupfinstrumente (live) gegen den lauten Elvis Presley (aus Lautsprechern) etwas schwer. Die Musikarchäologen von „Musica Romana“ erklärten, bei Wagenrennen hätten die Römer auch eher Blasinstrumente gespielt. Jeder Musiker spielte zwei. „Bei einer Orchesterstärke von 30 Mann war das schon sehr laut“, sagt die Archäologin. Auch die anderen Standbetreiber standen mit akademischem Wissen Rede und Antwort. „Ich kann Ihnen das Kochbuch des Apitius empfehlen“, sagte ein Verkäufer von Wein und Papyrus. „Es ist ganz einfach zuzubereiten.“ Noch einfacher war es allerdings, zum Essen in die Gegenwart zurückzukehren und sich an einem der vielen Essensstände eine Rostbratwurst zu kaufen.

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