Berlin : Gutachten: Jasmin O.ist älter als 13

Junge von Polizei festgenommen Überraschende Aktion der Staatsanwaltschaft nach mehr als 100 Straftaten BERLIN (emv/pen/weso).Mit einer Überraschungsaktion hat die Staatsanwaltschaft dem "Fall Jasmin O." gestern eine spektakuläre Wende gegeben: Der bosnische Junge ist offenbar älter als die bisher angegebenen 13 Jahre und damit strafmündig.Die Polizei hatte den Jugendlichen, der bereits über 100 Mal bei Straftaten erwischt worden war, am Dienstag auf Gerichtsbeschluß im Gerichtsmedizinischen Institut auf sein tatsächliches Alter untersuchen lassen.Das Ergebnis lautet: Der Junge ist älter als 13.Er wurde festgenommen.Noch gestern nachmittag bereiteten die Ermittler der zuständigen Kriminalpolizei in der Direktion 5 daraufhin die Unterlagen vor, um Jasmin O.einem Richter zum Erlaß eines Haftbefehls vorzuführen.Das geschieht heute. Den Beschluß zur Altersuntersuchung hatte eine Staatsanwältin bereits vor zwei Wochen erwirkt.Als der Junge gestern den Sozialpädagogischen Dienst in Tiergarten aufsuchte, informierten dessen Mitarbeiter die Polizei in Kreuzberg.Die Beamten fuhren sofort mit dem Jungen zur ärztlichen Untersuchung. Jasmin O.ist bisher fast 140 Mal von der Polizei erwischt worden.Wie berichtet, werden ihm zahlreiche Diebstähle, vor allem Autodiebstähle, zur Last gelegt.Aber auch Einbrüche in Wohnungen und Keller sowie gefährliche Körperverletzung werfen ihm die Ermittler vor: "Fast fällt es leichter, das aufzuzählen, was er noch nicht auf dem Konto hat", sagte ein Polizist.Jasmin O.galt aber bisher als strafunmündiges Kind. Die zuständige Tiergartener Jugendstadträtin Elisa Rodé (Grüne) wußte offenbar nichts von der Polizeiaktion und versuchte gestern, einen Gerichtsbeschluß zu erwirken, um Jasmin O.zu einer Untersuchung in die geschlossene Jugendpsychiatrie einweisen zu lassen.Dort sollte ein Gutachten über die mögliche Kleptomanie des Jungen erstellt und ein "Helferplan" zur weiteren Behandlung erarbeitet werden."Für mich besteht kein Zweifel am Alter des Jungen, er ist noch ein Kind", sagte Rodé. Wo sich die Eltern des Jungen zur Zeit aufhalten, wußte die Jugendstadträtin allerdings nicht."Ich habe Informationen darüber, daß die Familie aus ihrer bisherigen Wohnung in einem Tiergartener Asylbewerberheim ausgezogen ist", sagte sie.Die Eltern und Geschwister von Jasmin O.sind nach Angaben der Stadträtin vor fünf Jahren aus Bosnien nach Deutschland gekommen.Über die Identitätsnachweise der Familie weiß Rodé nur Ungenaues.Elisa Rodé bestätigte auch, daß Jasmin O.am vergangenen Mittwoch in ihrem Büro im Rathaus am Mathilde-Jacob-Platz eine ihrer Mitarbeiterinnen bestohlen habe. In der Senatsjugendverwaltung wird der Stadträtin inoffiziell, aber heftig vorgeworfen, keine Hilfe zur Unterbringung des Jungen angenommen zu haben.Bezirksbürgermeister Jörn Jensen (Grüne) stellte sich indes schützend vor seine Jugendstadträtin."Die Allgemeinheit wird durch die Autolobby und alkoholisierte Kraftfahrer weit mehr gefährdet als durch die Fahrten von Jasmin O.in gestohlenen Autos", sagte Jensen. Der Fall Jasmin hatte in Berlin vor allem eine neue Diskussion über die Notwendigkeit geschlossener Heime ausgelöst.Zwar können Kinder und Jugendliche weiter gerichtlich in Heime eingewiesen werden, geschlossene Einrichtungen gibt es in Berlin aber nicht mehr.Es existieren bundesweit nur noch sechs, davon zwei in Bayern.Brandenburg führt zwei abgelegene, wenn auch nicht geschlossene, Heime zur Vermeidung der U-Haft mit intensiver Betreuung.Dort werden auch Berliner aufgenommen. Zähne und Knochen geben Hinweise Wie das Alter bestimmt wirdJeweils drei Mediziner nehmen die Untersuchungen zur Einschätzung des tatsächlichen Alters eines Jugendlichen vor: ein Zahnarzt, ein Röntgenarzt und ein Gerichtsmediziner.Anhand von Röntgenaufnahmen von Gebiß und Kiefer bestimmt der Zahnarzt, ob und gegebenenfalls wie weit bestimmte Zähne bereits aus dem Kiefer getreten sind.Die Entwicklung der Weisheitszähne spielt eine zentrale Rolle.Ein weiterer, eher untergeordneter Faktor ist die Abnutzung der Zähne. Einen weiteren Hinweis erhalten die Mediziner durch die Handwurzelknochen.Auf Röntgenaufnahmen ist deren Größe meßbar.Die Knochenfugen, die bei jungen Menschen relativ weit geöffnet sind und mit steigendem Alter zuwachsen, geben ebenfalls Aufschluß.Mit 20, wenn ein Mensch ausgewachsen ist, wird die medizinische Alterseinschätzung problematisch. Körperbau, Behaarung und Ausprägung der primären und sekundären Geschlechtsmerkmale geben schließlich die letzten Hinweise auf die Alterseinschätzung eines Menschen.Dabei stehen nach Auskunft von Medizinern die Chancen bei Kindern und Jugendlichen besonders gut, eine treffende Alterseinschätzung abzugeben.

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