Berlin : Gutachter: Charité soll Standorte schließen

Nur dann sind die vom Senat geplanten Einsparungen erreichbar. Trifft es das Benjamin Franklin?

Ingo Bach

Die Zukunft des zur Charité gehörenden Benjamin-Franklin-Klinikums in Steglitz ist wieder ungewiss. Die Prüfer der Unternehmensberatung Roland Berger kommen in einem Gutachten für den Berliner Senat zu der Empfehlung, dass man „ganze Standorte“ der unter dem Namen Charité fusionierten Berliner Universitätsmedizin schließen müsse. Nur so sei die vom Senat geforderte Einsparung von 98 Millionen Euro an Zuschüssen bis 2010 zu erreichen und das finanzielle Überleben des Universitätsklinikums gesichert. Der zuständige Wissenschaftssenator Thomas Flierl (PDS) nannte das Gutachten gestern „eine gute Grundlage für die Vorbereitung der weiteren Entscheidungen“.

Am Freitag hatte der scheidende Verwaltungsdirektor der Charité, Bernhard Motzkus, im Tagesspiegel-Interview erklärt, alle drei Standorte des Klinikums – Mitte, Wedding und Steglitz – seien nicht zu finanzieren. Und wenn es um Schließungen in der Universitätsmedizin geht, wird immer wieder das Steglitzer Klinikum genannt. Eigentlich hatte der Senat schon 2002 genau das geplant. Doch starke Gegenwehr in der Stadt hatte die Schließung verhindert. Eine daraufhin vom Senat eingesetzte Expertenkommission empfahl schließlich die Fusion aller Standorte der Hochschulmedizin, was zum 1. Juni 2003 auch geschah. Die Freie und die Humboldt-Universität tragen sie gemeinsam.

Die Berger-Gutachter waren nun auf Druck der Abgeordnetenhausfraktionen vom Senat beauftragt worden, die finanziellen Auswirkungen des Expertenvotums zu bewerten. Denn schon nach Veröffentlichung dieser Empfehlung im Oktober 2002 waren Zweifel an deren Realisierbarkeit laut geworden. Das bestätigten jetzt auch die Gutachter. Würde man nur den Rat der Expertenkommission umsetzen, dann fehlten trotzdem rund 14 Millionen an der vom Senat gefordeten Sparsumme. „Das Gutachten der Expertenkommission ist damit überholt“, sagen jetzt selbst Oppositionspolitiker. Auch in der CDU hatte es 2002 starken Widerstand gegen die Schließung des damals zur FU gehörenden Franklin-Klinikums gegeben. Die FU verlöre den Status als Volluniversität, wenn sie ihre Humanmedizin abgeben müsste, hieß es damals. Das sei inakzeptabel. Jetzt steckt die CDU in einer Zwickmühle. Das neue Gutachten leuchtet in der Konsequenz ein und trotzdem will man sich von der FU als einer vollständigen Universität nicht verabschieden. Oppositionspolitiker sehen nun eine mögliche Lösung des Dilemmas darin, dass FU und HU die dann nur noch aus Virchow und Mitte bestehende Charité weiterhin gemeinsam tragen.

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