• Gutachterfirma untersuchte die Risse in Kreuzberger Wasserterrassen - Künstler ist anderer Meinung

Berlin : Gutachterfirma untersuchte die Risse in Kreuzberger Wasserterrassen - Künstler ist anderer Meinung

Ulrike Groppe

Die Ursache für die Risse und Brüche im Pamukkale-Brunnen im Görlitzer Park liegt "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit am Naturstein selbst". Das geht aus einem Zwischenbericht der Gutachterfirma CRP hervor, der dem Grünflächenamt Kreuzberg jetzt vorliegt. Demnach nehme der verwendete portugiesische Kalkstein bei Dauerbefeuchtung, also im direkten Brunnenbereich, etwa das Vierfache der erwarteten, unbedenklichen Wassermenge auf, berichtet Amtsleiter Hilmar Schädel. Wie berichtet, wurden die im Spätsommer 1998 übergebenen und über 4,5 Millionen Mark teuren Wasserterrassen im Februar 1991 gesperrt.

An der Brunnenkonstruktion oder am Betonfundament liegt es dagegen offenbar nicht. Wörtlich heisst es im Gutachten: "Der örtlich auf einzelne Steine begrenzte Rissverlauf ist nicht mit der Verformung der Unterkonstruktion in Einklang zu bringen." Das endgültige Gutachten wird für Ende des Monats erwartet, wenn auch die sogenannten Frost-Tau-Versuche abgeschlossen sind. Erst dann kann ein Sanierungskonzept erarbeitet werden. Schädel: "Wir können noch gar nicht sagen, ob es eine komplette Erneuerung geben muss. Vielleicht reicht auch eine Spezialbehandlung der Steine."

Das Materialprüfungsamt Berlin-Brandenburg hatte den vom Künstler Wigand Witting vorgeschlagenen Naturstein vor dem Aufbau der Anlage im Sommer vergangenen Jahres auf Frostsicherheit geprüft. Möglicherweise habe es im Prüfungsamt ein "internes Informationsdefizit" gegeben, vermutet Schädel: Aus Unkenntnis darüber, dass es sich um einen Brunnen handele, sei der Stein nicht auch auf seine Belastbarkeit bei Dauerbefeuchtung geprüft worden.

"Wir können jetzt klar sagen, der Stein ist für diese Zwecke ungeeignet", stellt Schädel fest. Die von Witting damals über die Eigenschaften des Steines vorgelegten Zahlen stimmten so nicht mit denen aus dem jetzigen Gutachten überein. "Es kann sein, dass der Künstler Material verwendet hat, das seinen eigenen Kriterien nicht genügen konnte." Dafür könne es mehrere Erklärungen geben, so zum Beispiel eine schlechte Qualität des benutzten Steinbruchs.

Witting kündigte an, nach der Vorlage des Endergebnisses ein Gegengutachten in Auftrag geben zu wollen. Er führt die Risse auf ein mangelhaftes Betonfundament zurück. Noch nicht klar ist, wer für die im nächsten Frühjahr beginnende Sanierung aufkommen muss. Amtsleiter Schädel rechnet mit einer sechsstelligen Summe. Er ist skeptisch, ob die Versicherungen der Beteiligten zahlen werden. "Wenn das auf dem Rechtsweg per Gericht geklärt werden muss, ist die nächste Brunnensaison auf jeden Fall auch gelaufen." Über den Winter jedenfalls bleibt der Bauzaun um die seitlichen Beckenbereiche stehen. Ob auch die im Moment zugängliche Sitzfläche und die Rutsche wieder abgesperrt werden müssen, hängt jetzt davon ab, ob bei den Frostuntersuchungen weitere Abbruchgefahren festgestellt werden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben