Berlin : Gute Karten

Leserin sucht WM-Tickets für krebskranke Kinder

Annette Kögel

„Elf Freunde müsst ihr sein, wenn ihr Siege wollt erringen!“ – so lautet das „Erfolgsrezept“ von Stürmer Heini Kamke aus dem Team der 5. Volksschule Berlin-Wilmersdorf. Es stammt aus dem Kultbuch „Elf Freunde müsst ihr sein“ von Sammy Drechsel von 1955, das der Friedenauer Tagesspiegel-Leserin Brita Schwietzer gehört. Die 56-Jährige hofft jetzt auf einen „Sieg“ für den guten Zweck: Sie will den legendären Wälzer im Tausch für zwei Eintrittskarten hergeben. „Die Tickets will ich an schwer krebskranke Mädchen und Jungen im Kinderhospiz der Björn-Schultz-Stiftung weitergeben. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie groß die Freude dort wäre!“

Die Idee zum Tausch kam der gelernten Krankenschwester und Pflegedienstleiterin, „als ich die Sachen meiner erwachsenen Kinder Steffen und Anne mal gründlich aussortiert habe.“ Da fiel es ihr in die Hand: Das vom Sportjournalisten und Gründer der Lach- und Schießgesellschaft Sammy Drechsel verfasste Jugendfußballbuch. „Über meine Arbeit habe ich oft mit sehr kranken Menschen zu tun – und als ich die Tagesspiegel-Beilage mit dem gleichen Titel in der Hand hatte, war mir klar: Da musst du was machen.“

Also, dachte sich Schwietzer: Da sieht man doch überall bei den Fernsehübertragungen noch leere Plätze. „Bestimmt gibt es Menschen, die ihre Tickets doch nicht wahrnehmen können, oder Leute, die im Marketing arbeiten und noch an Eintrittskarten herankommen.“ Oder einfach ein großes Herz haben. „Viele der krebskranken Kinder im Hospiz träumen davon, diese WM live mitzuerleben. Bei der nächsten sind sie schon tot.“

Das Spiel muss wegen der Umschreibungsformalien am oder nach dem 30. Juni liegen, dem Spieltermin fürs Viertelfinale in Berlin. „Für die Kinder wäre ein Spiel in Berlin am besten, denn Reisen sind beschwerlich.“ Andererseits wäre auch das für den großen Traum machbar, „und wenn ein Betreuer aus dem Hospiz mit den beiden unterwegs wäre, würde ich einen Urlaubstag nehmen und dort als Mitarbeiterin einspringen“. Der größte Traum wäre aber, wenn nun noch Spieler der Nationalmannschaft bereit wären, vor der Buchübergabe die „Elf Freunde“ zu signieren. „Ich würde sofort ins Schloßhotel nach Grunewald fahren“, sagt Brita Schwietzer. Aber auch ohne Autogramme könnte sich der Spender das Buch in den Schrank stellen – als Erinnerung an jene großherzige Aktion, mit der er todkranke Kinder einmal glücklich gemacht hat.

Bitte eine Mail schicken an die Adresse annette.koegel@tagesspiegel.de (Stichwort „Elf Freunde“) – oder Tel.: 26009-314

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