Berlin : Gute Luft ist vielen noch zu teuer

Wirksame Filter fehlen in den meisten Lastwagen. Dass es anders geht, zeigt die BVG mit den saubersten Bussen Europas

Klaus Kurpjuweit

„Wasser marsch“, wird es im Sommer heißen – und dann werden die Hauptstraßen der Stadt „geflutet“. Mit viel Wasser will die Umweltverwaltung die Fahrbahnen reinigen lassen, um so genannten Feinstaub zu entfernen. Dieser ist der größte Schadstoff in der ansonsten guten Berliner Luft. Und 2005 sowie 2010 werden in zwei Schritten die EU-Grenzwerte für Lärm und Dreck erhöht. „Dabei müssen wir alles ausprobieren, was dazu führen kann, die Werte einzuhalten“, sagt Manfred Breitenkamp, der Abteilungsleiter Umweltpolitik bei der Stadtentwicklungsverwaltung. Und dazu gehört dann auch das Spülen der Straßen, was frühmorgens in Paris schon lange üblich ist.

Der Feinstaub, dessen winzige Teilchen kleiner als zehn Mikrometer sind und deshalb PM 10 genannt werden, wird ungefähr zur Hälfte von außerhalb in die Stadt geweht und zum Teil über hunderte von Kilometern transportiert, so Breitenkamp. Durch den extrem trockenen Sommer seien die Grenzwerte im vergangenen Jahr besonders häufig überschritten worden. Gemessen wurden unter anderem Partikel, die bei den Waldbränden in Moskau entstanden waren. Eine Langzeitprognose gebe es derzeit aber nicht.

Andere Dreckschleudern aus der Ferne, etwa die Kraftwerke um Bitterfeld, sind dagegen längst stillgelegt oder wie die Anlagen der Bewag mit Filteranlagen ausgestattet. Auch die Umstellung von Ofenheizungen auf Gas und Fernwärme hat die Luft erheblich verbessert.

Am Ort erzeugt vor allem der Straßenverkehr den feinen Staub – in Form von Auspuffemissionen, vor allem durch Dieselfahrzeuge, aus Reifen- und Fahrbahnabrieb und durch aufgewirbeltes Material.

Dabei gibt es schon seit geraumer Zeit technische Lösungen, die den Schadstoffausstoß minimieren. Doch der Einbau von solchen Filtern ist dem Speditionsgewerbe – noch – zu teuer. Rund 6500 Euro kostet eine solche Anlage. Bei der BVG sind sie dagegen inzwischen Standard. Seit 1998/99 werden nach Angaben von Burkhard Eberwein, der für die Fahrzeugtechnik zuständig ist, neue Fahrzeuge nur noch mit den so genannten CRT-Filtern angeschafft. Und bis auf wenige alte Doppeldecker seien auch die anderen Busse umgerüstet worden. Auf eigene Kosten, wie Eberwein betont. Jetzt geht die BVG noch einen Schritt weiter. Am Donnerstag erhält sie die „saubersten Busse Europas“. Die 25 Fahrzeuge von Volvo erfüllen den derzeit anspruchvollsten Abgasstandard.

Bei Lastwagen sei erst mit solchen Fahrzeugen zu rechen, wenn die EU-Normen dies vorschreiben, sagt Gerd Bretschneider von der Fuhrgewerbe-Innung. Die geringen Gewinnmargen des Gewerbes ließen es nicht zu, dass Spediteure den teuren Filter freiwillig einbauen lassen. Auch Breitenkamp ist überzeugt, dass erst finanzielle Anreize den Filtereinbau vorantreiben werden, vor allem, wenn stinkende Fahrzeuge teurer werden.

Aber auch Personenwagen mit Dieselmotor verpesten die Luft. Ihre Zahl hat in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen. Auch Taxiunternehmen setzen auf Diesel. Die deutschen Hersteller haben bisher aber, anders als Peugeot, kaum Filter im Angebot, die dem Stand der Technik entsprechen. Immerhin lässt sich der oberste amtliche Umweltschützer, Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) in einem Dienstwagen chauffieren, der die strenge Abgasnorm erfüllt.

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