Berlin : Gute Pflege – und wo man sie findet Experten diskutieren am Dienstag über Qualität

Schlechte Ernährung, mangelnde medizinische Versorgung, zu wenig Zuwendung – die jüngst durch die Berichte der Pflegekassen bekannt gewordenen Missstände in Pflegeheimen haben die Öffentlichkeit aufgeschreckt. Politiker, Angehörige und selbst Heimbetreiber fordern nun mehr Transparenz. Sie wollen wissen, was in den Pflegeeinrichtungen wirklich geschieht. Eine Grundstimmung, die die derzeit in Berlin laufenden Vorbereitungen zu einem freiwilligen Qualitätsbericht der Pflegeeinrichtungen überhaupt erst ermöglicht hat. Spätestens Ende dieses Jahres sollen diese Berichte, die unter anderem Angaben zur Ausstattung der Heime, zu ihrer Spezialisierung, zu Prüfergebnissen und zu den Preisen enthalten, von der Senatssozialverwaltung im Internet veröffentlicht werden – in Zusammenarbeit mit dem Tagesspiegel.

Das Thema Transparenz in der Pflege wird am kommenden Dienstag auch auf der Agenda einer Podiumsdiskussion stehen, die der Tagesspiegel in Kooperation mit dem Berufsverband der Pflegeberufe (DBfK) präsentiert. Sie ist die zweite Veranstaltung einer vierteiligen Diskussionsreihe über die Pflege in Deutschland. Bei der ersten Veranstaltung der Reihe am vergangenen Dienstag zum Thema „Pflegefall – was nun?“ zeigten Zuhörer großes Interesse an ausführlichen Informationen über die Leistungskraft und -qualität der Pflegeheime. Eine der wichtigsten Fragen war: „Woran erkenne ich ein gutes Heim?“ Die pragmatischste Antwort war: „Verlassen Sie sich dabei auch ein Stück weit auf ihr Bauchgefühl, ob Sie ein Heim ansprechend finden.“ An einem persönlichen Besuch in einer Einrichtung, die in die engere Wahl gezogen wurde, führt normalerweise kein Weg vorbei.

Aber für die Vorauswahl braucht es möglichst viele harte Fakten, meinen Experten. Dazu gehören auch die Ergebnisse der Qualitätsprüfungen durch den medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK), deren Ergebnisse bisher nur das kontrollierte Heim erfährt. Experten fordern deren Offenlegung, doch sind sie oft auch in einer Sprache verfasst, die Laien schwer verständlich ist und die einen direkten Vergleich von Heimen nicht gerade vereinfacht. Abgesehen davon, dass der MDK wegen Personalmangels bisher nur im Schnitt alle fünf Jahre ein Heim kontrollieren kann.

Ist Betreuungsqualität überhaupt messbar – und was ist sie wert? Ein Pflegeplatz im Heim kostet durchschnittlich 2700 Euro im Monat, meist mehr. Bekommt man für viel Geld auch viel Qualität? Auch diese Fragen werden in der Diskussion am Dienstag sicher eine Rolle spielen. I.B.

An der Diskussion am Dienstag nehmen teil: Heidi Knake-Werner, Senatorin für Soziales, Karin Stötzner, Berliner Patientenbeauftragte, Willi J. Hermanns, Geschäftsführer Vitanas-Gruppe, und Michael De Ridder, Chefarzt der Rettungsstelle Vivantes Klinikum am Urban. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr im KPM-Café, Wegeleystraße 1, Charlottenburg (S-Bahnhof Tiergarten). Der Eintritt ist frei. Um Anmeldung wird gebeten, Telefon 030/21 9 15 7 0 oder Fax 030/21 91 57 77 oder E-Mail: dbfk@dbfk.de

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