Berlin : Gute Saat und böser Scherz

Doris Schröder-Köpf ruft zum Spenden für die Stadtmission auf

Tobias Arbinger

Ein paar Papierschnipsel auf den Sitzen der Bushaltestelle – das ist alles, was von dem üblen Scherz übrig blieb. Am Vormittag war deshalb vor dem Zentrum Lehrter Straße der Stadtmission Bombenalarm ausgelöst worden. Einem Polizisten war ein verdächtiges Päckchen aufgefallen. Feuerwerker sprengten die vermeintliche Bombe, die sich als verschnürtes Paket Müll entpuppte.

Auf die Aufregung hätte die Kanzler-Ehefrau Schröder-Köpf, die gestern kurz vor der kontrollierten Sprengung zu einem Besuch in dem sozialen Zentrum eintraf, sicher gerne verzichtet. Sie nahm es äußerlich gelassen: „Ich habe mitbekommen, dass irgendetwas war, aber nicht was“.

Ihr Besuchsprogramm anlässlich des 125-jährigen Bestehens der Stadtmission absolviert Schröder-Köpf routiniert. Nachdem sie den Komplex aus einem Jugendgästehaus und einer Notunterkunft für Obdachlose zusammen mit dem evangelischen Pfarrer und Stadtmissionsdirektor Hans-Georg Filker besichtigt hatte, lächelt sie gekonnt in die Kameras und erzählt von ihren Eindrücken von der sozialen Einrichtung.

Dass ein Obdachlosenheim „nicht aussieht wie ein Fünf-Sterne-Hotel, ist klar“, sagt Schröder-Köpf. Als Schirmherrin vieler sozialer Projekte sei sie jedoch „ein gewisses Elend gewöhnt“. Ihr gefalle, dass die evangelische Kirche die Herberge, in der Familien, Studenten aus aller Welt und Besucher des Berlin-Marathons nächtigten, und die Notunterkunft Tür an Tür betreibe und dem Obdachlosenasyl damit etwas Alltägliches verleihe. „Das gehört zusammen.“

Die Stippvisite der Kanzlergattin soll die Aufmerksamkeit aber auch auf die Spendenaktion „Ein Quadratmeter gute Saat für Berlin“ lenken, mit der die Stadtmission ihre Ausbaupläne an der Lehrter Straße finanzieren will. Vor vier Jahren hatte sie das 20 000 Quadratmeter große Areal – ein altes Seniorenheim – vom Bezirk Tiergarten übernommen, und darauf Notunterkunft und Jugendhotel eingerichtet. Dazu soll nun ein missionarisches Zentrum kommen, in dem unter anderem Reisende, die ab 2006 auf dem neuen Hauptbahnhof Lehrter Bahnhof ankommen, der Großstadthektik entkommen können. Geplant sei eine „Oase zwischen Knast und Kanzleramt“, mit Internetcafé und Begegnungszentrum, sagte Pfarrer Filker. Um ihr Vorhaben zu Ende zu bringen, will die Stadtmission das Gelände und die Gebäude kaufen.

Zehn Millionen Euro sollen durch Spenden zusammenkommen. Jedermann kann symbolisch einen oder mehrere Quadratmeter für einen Obolus von je 500 Euro „kaufen“. Doris Schröder-Köpf hat sich schon einmal zehn reserviert.

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