Berlin : Guter Ton

Das Mahler Chamber Orchestra schult Talente Seine Stradivari besitzt es dank einer Stiftung

Elisabeth Binder
Foto: promo
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Wenn Konzertmeister Gregory Ahss den Bogen auf einer echten Stradivari anlegt, erwartet das Publikum des Mahler Chamber Orchestra (MCO) ein besonderes Klangerlebnis. Zu verdanken ist der Erwerb des kostbaren Instruments der vor drei Jahren gegründeten gemeinnützigen MCO-Stiftung, die verschiedene Aktivitäten des Orchesters unterstützt. Dazu gehören neben dem Kauf von exquisiten Instrumenten wie der Stradivari auch anspruchsvolle Konzertprojekte, die sich selbst nicht tragen, und die sogenannten Education Projekte. „Vergangenes Jahr haben unsere Orchestermitglieder mit Musikschülern in Sao Paolo geprobt und Unterricht in kleinen Gruppen gegeben“, erzählt Intendant Andreas Richter.

Im Januar 2012 will das Orchester – das viel Brahms und Beethoven spielt, auch ein- bis zweimal im Jahr neue Werke von jungen Komponisten uraufführt–, klassische Musik nach Indien bringen. In Delhi, Mumbai, Kalkutta und Bangalore sind gemeinsam mit indischen Musikern ebenfalls Education Projekte geplant. Junge indische Musiker können sich unter künstlerischer Anleitung in der klassischen Musik des Abendlandes erproben.

Unterwegs zu sein, ist das Markenzeichen des Orchesters, das seine Zentrale in Berlin hat und im Frühjahr zum Kulturbotschafter Europas ernannt wurde. Die 44 Mitglieder des Kammerorchesters kommen aus 19 Ländern. Sie spielen an 180 bis 200 Tagen im Jahr in 15 verschiedenen Ländern. In Berlin sind sie nur selten zu hören. „Wir sind ein reines Privatorchester, und die Konkurrenz der subventionierten Orchester ist hier einfach zu hoch“, sagt Intendant Richter. Gegründet wurde das Orchester 1997 von Claudio Abbado mit jungen Musikern aus aller Welt. Der Star-Dirigent sitzt auch immer noch im Präsidium zusammen mit Roland und Karin Berger, die das Mahler Chamber Orchestra ebenfalls tatkräftig unterstützen.

Weitere Unterstützer sind willkommen, oft seien das Kosmopoliten, so der Intendant. Auch Hauskonzerte bietet das Orchester an, das sich für interkulturellen Dialog einsetzt. Besonders schön muss eines gewesen sein, das auf einem Anwesen in den Schären vor Stockholm stattfand. Für Richter wären solche Konzert künftig auch in Berlin denkbar. Denn hier in der Stadt wird das Orchester wie ein Prophet im eigenen Lande bislang nur wenig wahrgenommen. Das stört die Mitglieder zwar nicht sonderlich, zumal es Residenzen im italienischen Ferrara und im westfälischen Dortmund gibt. Auch beim Luzern-Festival spielt das Orchester eine tragende Rolle.

Wenn aber mithilfe der Stiftung auch in der Heimat des Orchesters weitere Unterstützer gefunden werden, könnten die auch zu Botschaftern der hiesigen Kulturlandschaft werden. Schließlich verkörpert das MCO das Thema Integration idealtypisch. Die vielen unterschiedlichen nationalen Regelungen zum Arbeitsrecht bereiten dem Management organisatorisch freilich einiges Kopfzerbrechen. Dabei kann dann bisweilen auch die beste Stiftung nicht helfen. Elisabeth Binder

Das MCO erreicht man unter der Telefonnummer 417 17 90. Am 5. November tritt das Orchester im Radialsystem auf: 19.30 Uhr, Karten 28 Euro, erm. 15 Euro.

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