Berlin : Guter Wille reicht nicht

Im Kampf gegen Hundekot wird jetzt mancherorts auf strengere Methoden gesetzt

Annette Kögel

Die Aufforderung ist unmissverständlich. „Sammeln Sie Ihren Hundekot ein!!! Sonst werden Sie angezeigt!!!“, steht auf Schildern im Fenster des Jugendbegegnungszentrums Berlin-Mitte. Letztes Jahr haben sich die Betreiber des Jugendgästehauses in der Antwerpener Straße40 in Wedding für den drastischen Appell entschieden – mit Erfolg. „Die Verschmutzung vor dem Haus hat stark nachgelassen“, sagt Mitarbeiterin Christin Silber. Beim Engagement gegen Dreck und Hundekot wird in Berlin vielerorts nicht mehr allein auf den guten Willen gesetzt.

„Es ist schon traurig, Berlin will Vorzeigestadt sein und wird einfach zugemüllt“, sagt die 21-jährige Christin Silber. Gerade in der Tourismusbranche sei das Erscheinungsbild einer Stadt wichtig, auch für junge Leute. „Mülleimer stehen an jeder Ecke, aber gegen Hundekot wird noch viel zu wenig getan“, sagt die Hotellerie-Angestellte.

Einige Kilometer weiter östlich kümmert sich das Bezirksamt besonders um die Sauberkeit auf Plätzen. „Das Mitführen von Hunden ist untersagt“, steht seit Mittwoch auf Schildern am Traveplatz in Friedrichshain. Das Verbot zeigt Wirkung. „Man sieht nur noch selten Hundebesitzer, die dagegen verstoßen“, sagt Anne Jungmann, die den Park fast täglich mit ihren Kindern besucht. Allerdings vermisst die 27-Jährige wie viele ihrer Nachbarn die stetige Anwesenheit der Kiezstreifen vom Ordungsamt. „Wenn man die Leute braucht, sind sie nicht da.“ Ein Nachbar sei letztens ärgerlich gewesen über die Auskunft der Polizei, sie sei nicht mehr zuständig, seit es die Ordnungsämter gibt. In Berlin schreiben nun die Kiezstreifen Anzeigen bei Ordnungswidrigkeiten wie „vermeidbarer Verschmutzung“: Papier fallen lassen, Kippe wegschnippsen, Hundehaufen liegen lassen. Das kann bis zu 35 Euro kosten. „Die meisten Hundebesitzer kümmern sich nicht darum“, sagt dagegen ein Polizist, der am Fraenkelufer in Kreuzberg Wache schiebt. „Wir stehen hier in Uniform, und auf der anderen Straßenseite lassen die Leute ihre Hunde in aller Ruhe hinmachen.“

In Friedrichshain liegen die Häufchen nun statt auf dem Traveplatz am Boxhagener Platz, hat Anwohner Frank Müller beobachtet. Im eigens eingerichteten Hundeauslaufgebiet an der Gürtelstraße 18/19 spielt am Sonntagmittag nur Karla Chedor mit Hund Bobby. Die 66-Jährige sagt, sie fühle sich nicht ausgegrenzt.

Auch Monika Karwecki, die in Wedding in der Antwerpener Straße mit „Rocky“ Gassi geht, hat Verständnis für die Warnung im Fenster des Jugendhotels. Bislang blieb es ja auch bei der schriftlichen Drohung. Christin Silber: „Anzeigen mussten wir bislang noch niemanden.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben