Berlin : Gutes getan und darüber gesprochen

Deutsche Bank lud zum 2. Berliner Stiftungstag

Sarah Burmester

Im Jahr 2005 wurden in Berlin 37 neue Stiftungen gegründet, zehn mehr als im Vorjahr. Die Deutsche Bank präsentiert sich auf dem 2. Berliner Stiftungstag als Gastgeber – sowohl mit der eigenen Stiftung, als auch als Berater der Stiftungen Berlins – dem Credo folgend „Tue Gutes und sprich darüber“. Wohltätige Stiftungen versprechen auch der Bank gute Gewinne. Doch wieso boomen die Stiftungsgründungen derzeit?

„Schon möglich, dass die Änderung im Steuerrecht dazu beigetragen hat“, sagt ein Vertreter des Stiftungsnetzwerks Berlin. So kann man seit Anfang 2000 erheblich größere Beträge steuerlich absetzen, wenn sie in einer Stiftung gebunden sind oder ihr als Spende zugute kommen. Die Organisation Amnesty International hat auf den Trend reagiert und die „Stiftung Menschenrechte“ gegründet, die größere Spendeneingänge verzeichnet als die Mutterorganisation.

Die steuerlichen Vergünstigungen und eine größere Öffentlichkeit werden vom Stiftungsnetzwerk als Grund angeführt, dass mehr Menschen auf die Idee kommen, ihr Vermögen einer Stiftung zukommen zu lassen. „Da gibt es die verschiedensten Gründe“ – so ein Vermögens- und Stiftungsberater der Deutschen Bank zu den Motiven, die zu diesem Stiftungsboom führen könnten. Gülsah Basaran von der Familienstiftung „Joachim und Anita Stapel Stiftung“ erklärt ihr Engagement mit dem Wunsch, dank einer Erbschaft etwas für die Gesellschaft zu tun. „Da fehlt es in Deutschland noch an allgemeinem Verantwortungsbewusstsein. In den USA ist es selbstverständlich, der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Auch in Deutschland ist es dem Staat immer weniger möglich, das Notwendige zu leisten.“ Joachim Stapel schätzte Sprache als wichtiges gesellschaftliches Element, und seine Nachkommen möchten sein Anliegen nun weitertragen. Die Stapel-Stiftung fördert deshalb kommunikationsorientierte Projekte und organisiert zum Beispiel Theaterbesuche für Schulklassen.

Springen die Stifter nun also in die Bresche, die ein verringertes staatliches Engagement aufreißt, oder hat sich auch der generelle Trend zu „mehr Freiheit, weniger Staat“ niedergeschlagen in Berlins Stiftungslandschaft? Ein Berater der Deutschen Bank: „Die Gründe sind vielfältig. Von solchen, die nach einem Leben harter Arbeit ihr enormes Vermögen nun sinnvoll einsetzen möchten, der Gesellschaft etwas zukommen lassen möchten, bis hin zu denen, die einfach sagen: Meine Kinder sollen das Geld nicht bekommen“.

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