Berlin : H.M.H.-Sinfonieorchester: Kampf gegen ein sang- und klangloses Ende

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Die Konzerte sind ausverkauft, die Zuhörer begeistert, und auch die Politiker sparen nicht mit Lob: Das H.M.H.-Sinfonieorchester (die Buchstaben stehen für Hohenschönhausen, Marzahn und Hellersdorf) gilt als "kulturelle Perle". Doch nun wird dem vor drei Jahren gestarteten Projekt der Geldhahn am 31. März zugedreht.

Eigentlich sollten die 53 Musiker, die aus aufgelösten oder verkleinerten Orchestern ausgewählt wurden, drei Jahre lang durch den Senat und das Arbeitsamt gefördert werden. Doch die einst zugesagten Summen werden wahrscheinlich nicht fließen. Grund ist die finanzielle Lage des Landes Berlin. "Die wenigen, bereits für dieses Jahr veranschlagten Fördermittel sind zum größten Teil schon vollständig gebunden", teilte die Senatsverwaltung für Arbeit mit. Und die vom Arbeitsamt Ost zugesicherten 1,2 Millionen Mark reichen nach Aussage des H.M.H.-Pressesprechers, Reinhard Heinisch, nicht aus. "Die hochqualifizierten Musiker bekommen sowieso nur knapp ein Drittel dessen, was in einem renommierten Orchester verdient wird - rund 2100 Mark netto." In den vorigen zwei Jahren standen dem Ensemble 3,3 Millionen Mark zur Verfügung.

Endgültig wird über den Fortbestand entschieden, wenn ein schlüssiges Finanzierungskonzept der Musiker vorliegt oder die Zusage des Bezirksamtes für eine Kofinanzierung, heißt es aus der Senatsarbeitsverwaltung. Aber der Bezirk sieht sich dazu nicht in der Lage. "Wir müssen einen anderen Weg finden", sagt Bürgermeister Uwe Klett (PDS). Auf Dauer habe "eine Auffanggesellschaft für arbeitslose Musiker" keine Chance. Er sieht den Fortbestand als gesamtstädtische Aufgabe. "Das Ensemble muss in eine privatwirtschaftliche Rechtsträgerschaft überführt werden", sagt Klett. Ein Konzept soll deshalb jetzt gemeinsam mit dem Orchester erarbeitet werden.

Dessen Pressesprecher Heinisch gibt sich trotz aller Probleme optimistisch: "Der Bedarf nach unserer Musik ist vorhanden." Das zeigten die gut besuchten rund 200 Konzerte. Das H.M.H.-Orchester spielt vor allem die Klassiker des 18. und 19. Jahrhunderts. Jetzt will sich das Team an den Regierenden Bürgermeister wenden. Auch an den amerikanischen Milliardär Alberto Vilar haben die Musiker geschrieben.

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