Berlin : Haargel, Seife und neue Tresore

Die Zahl der Überfälle auf Schlecker-Filialen steigt

Jörn Hasselmann

Die Drogeriekette Schlecker hat mittlerweile fast alle Filialen mit Spezialtresoren gesichert – doch die Räuber lernen nicht hinzu. In diesem Jahr gab es bereits mehr als 50 Überfälle auf Märkte des Discounters, die bislang den Ruf hatten, wegen mangelnder Sicherungsmaßnahmen eine „leichte Beute“ zu sein. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum wurde von Rossmann nur nur eine Filiale überfallen.

Das Unternehmen Schlecker will nun kurzfristig alle 420 Filialen in Berlin und Umland speziell sichern. Das freut die Polizei, ist aber bei den Kriminellen offensichtlich noch nicht bekannt. Denn die Zahl der Überfälle steigt derzeit im Vergleich zum Vorjahr.

Die neuen Tresore bei Schlecker haben zwei getrennte Kammern, so dass die Angestellten auf eingeworfene Beträge keinen Zugriff mehr haben. Das Geld wird dann von gewerblichen Sicherheitsunternehmen abgeholt. Zudem wurden bereits mehr Videokameras installiert. Damit ist Schlecker jetzt einer Forderung der Polizei weit umfassender nachgekommen, als erwartet und zunächst angekündigt.

Wie berichtet, hatte Anfang 2005 ein leitender Ermittler des Landeskriminalamt im Tagesspiegel die Sicherheitsmaßnahmen der Kette scharf kritisiert. Denn die Kripo sah es als Einladung für Kriminelle, dass die Tresore keine Zeitschaltung haben und sich mit nur einem Schlüssel öffnen lassen – den die Kassiererin in der Tasche hat.

Andere Discounter-Ketten hatten ihre Filialtresore mit einem Zeitschloss gesichert oder einer Verriegelung, die nur vom Geldboten geöffnet werden kann. Anschließend hatte ein Spitzengespräch zwischen dem Leiter des Berliner Landeskriminalamtes, Peter-Michael Haeberer, und der Konzernleitung von Schlecker stattgefunden, in dem das Unternehmen zusicherte, 30 bis 40 besonders gefährdete Filialen zu sichern. 2001 hatte zuletzt die Kette „Plus“ auf Druck der Polizei ihre Märkte speziell gesichert.

Die Kriminalpolizei vermutet, dass derzeit zwei Banden mit Überfällen aktiv sind. Zwei weiteren Banden hat das Raubdezernat in diesem Jahr bereits geschnappt: Zwei 25-ährigen Türken wurden sieben Taten in verschiedenen Bezirken seit November 2005 nachgewiesen. Fatih Ö. und Serkan A. sitzen mittlerweile in Untersuchungshaft. Sie wurden auf frischer Tat ertappt, als die Polizei mehrere Filialen observiert hatte. In der Weddinger Prinzenallee klickten letztlich die Handschellen. Die Kripo vermutet, dass die beiden mehr als die sieben Taten begangen haben, die durch Spuren nachgewiesen werden konnten.

Eine zweite Serie wurde von einer Bande Steglitzer Jugendlicher im Mai diesen Jahres verübt. Zwei der sechs 14- und 15-Jährigen sitzen in Haft, die anderen warten ihren Prozess. Die Kripo wirft ihnen drei Überfälle vor. Kurz vor der vierten Tat wurden sie geschnappt, weil der aufmerksamen Leiterin einer Filiale in der Birkbuschstraße aufgefallen war, dass sich ein Jugendlicher verdächtig im Geschäft umsah und nach der Ladenschlusszeit fragte. Da die Frau einen Überfall befürchtete, informierte sie sofort die Polizei. Und tatsächlich betrat wenige Stunden später einer der Jugendlichen erneut das Geschäft – und wurde festgenommen. Er verriet später den Fahndern seine Kumpane. Die Bande mischte sich aus Arabern, einem Deutschen und einem Afrikaner. Auch dies sei typisch, hieß es bei der Polizei. „Die treffen sich auf dem Spielplatz und verabreden sich, ’einen Schlecker zu machen’“, wie Chefermittler Manfred Schmandra gestern sagte. Doch das Risiko erwischt zu werden, ist überaus hoch – und die Strafandrohung für Raubüberfälle ebenfalls: Im vergangenen Jahr wurden 32 der 48 Tresor-Überfälle auf Schlecker aufgeklärt.

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