Berlin : Haarige Zeiten

Mit „King Kong“ durch die Adventszeit: Kurz vor dem Fest drängeln sich in Berlin die Stars

Andreas Conrad

Mit einer alten Pelzstola fing alles an, so um das Jahr 1973. Der dicke Peter Jackson, damals noch im zarten Alter von zwölf, wollte unbedingt seinen ersten Film drehen, das Super-8-Remake eines Klassikers, den er zwei, drei Jahre zuvor im Fernsehen erlebt hatte: „King Kong“. Das Empire State Building baute er in Pappe nach, die Skyline von New York malte er auf ein Betttuch, für das Fell des Riesenaffen aber musste ein abgelegtes Kleidungsstück seiner Mutter dran glauben. Eigentlich schade, dass der Streifen nie fertig wurde.

Die frühe Pleite hat den Neuseeländer, spätestens seit seiner „Herr der Ringe“Trilogie ein gemachter Mann, nie losgelassen. In Kürze ist sein zweiter Versuch zu besichtigen, angesichts des Produktionsetats von 200 Millionen Dollar war er auf Pelze mit Mottenkugelduft nicht länger angewiesen. Am Mittwoch nächster Woche kommt Jackson in das Theater am Potsdamer Platz, den alljährlichen Berlinalepalast, um hier der Europapremiere seines Films Glanz zu verleihen. Dabei helfen ihm die Hauptdarsteller Naomi Watts, Adrien Brody, Jack Black, Andy Serkis und Thomas Kretschmann. Möglich, dass Jackson dann auch wieder einen Abstecher ins nahe Filmmuseum unternimmt, um mit dem dort gezeigten Originalkopf des ersten „King Kong“-Films von 1933 zu liebäugeln. Zum Glück ist der unverkäuflich, anders als einige dem Museum nur geliehene Requisiten, die Jackson gleich erwarb und mitnahm, als er 2003 zur „Herr der Ringe“-Premiere in Berlin war.

Das Affentheater ist nur der Höhepunkt eines Starreigens, bei dem sich die Zelebritäten nicht nur des Kinos kurz vor Weihnachten in Berlin die Klinke in die Hand geben. Das geht schon an diesem Freitag los, wenn Sir Sean Connery in die Stadt kommt, Vorbote der Verleihung des Europäischen Filmpreises am Samstagabend in der Treptower Arena. Dort werden überwiegend aktuelle Filme und ihr Personal prämiert, Connery dagegen wird für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Unter den nominierten Stars, mit denen zu rechnen ist, finden sich Juliette Binoche, Julia Jentsch, Audrey Tautou, Daniel Auteuil, Henry Hübchen und Ulrich Matthes.

Am Donnerstag nächster Woche kommen gleich zwei Legenden in die Stadt, um vorbereitend auf die Fußball-WM für ihr Land und seine Kultur zu werben. Unter dem Titel „Copa da Cultura“ haben das brasilianische Kulturministerium und das Berliner Haus der Kulturen der Welt ein ganzjähriges Programm für Berlin und weitere deutsche Städte entwickelt, das der Kulturminister des Landes, der Musiker Gilberto Gil, und der Fußball-Zauberer Pelé vorstellen.

Tags darauf schließlich ist der Schauspieler Joaquin Phoenix in Berlin, um seinen Film „Walk The Line“ vorzustellen. Nach dem Vorjahreshit „Ray“ – Jamie Foxx, Darsteller von Ray Charles, bekam dafür einen Oscar – setzt die Filmindustrie diesmal auf den jungen Johnny Cash und seine Liebe zu June Carter. Das war für Phoenix zunächst einmal eine physische Herausforderung, ist er doch erheblich kleiner als der 2003 gestorbene Johnny Cash. Und dann musste er in dem Film noch alles selber singen – natürlich auch den Song, der dem Film den Titel gab, es ist einer der berühmtesten von Johnny Cash: „I Walk The Line“.

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