Berlin : Hackesches-Hoftheater: Druschba!

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"Der König schnarcht, die Königin, / kann sich nach Schlaf nur sehnen. / Sie sieht die Schatten an der Wand / durch Augen voller Tränen": Komisch-traurig beginnt das Gedicht über Königin Esther, ein Vers aus dem dramtischen Zyklus des jiddischen Dichters Itzik Manger, der die Hintergründe des Purimfestes im Milieu des 20. Jahrhunderts besingt. An Purim, dem karnevalistischsten unter ihren Festen, feiern Juden in aller Welt traditionell die Errettung der von amtlichen Ermordungsplänen bedrohten Juden Persiens: durch ihre Heldin Esther im 5. Jahrhundert vor Christus. Itzig Mangers Werk "Die Purimspieler" inszeniert am Berliner Hackeschen Hof-Theater der Hausregisseur Burkhard Seidemann, anlässlich des 100. Geburtstags des Dichters - eine Uraufführung. Eine Kömodie, die (so kündigen die Theaterleute an) "sich mit Lachen über das Unheil erhebt". Am 10. Mai soll Premiere sein, doch Szenen aus dem Stück über den Luftmenschen Herschel Sommerwind, der mit seiner Fantasie die Welt verwandeln kann, werden heute, im Rahmen einer Geburtagsfeier, bereits dem Publikum vorgeführt: Zu seinem achtjährigen Bestehen lädt das Ensemble Künstler, Förderer und Freunde ein mit Buffett, Liedern und szenischen Trailern aus der kommenden Produktion.

Eine weitere Bühne für deutsch-jüdische Theaterarbeit ist zu Beginn dieses Jahres erst in Charlottenburg eröffnet worden, die "Bamah" am Hohenzollerndamm. Das Hackesche Hoftheater jedoch sieht seine Aufgabe vor allem darin, die zu großen Teilen vernichtete jiddische Kultur der Juden Osteuropas zu rekonstruieren und wieder zu beleben. Itzig Manger, der Poet, wurde im galizischen Czernowitz geboren und starb in Israel. Der Sänger Mark Aizikovitch, bekannt als Schauspieler des Hackeschen Hoftheaters, wurde geboren im ukrainischen Poltawa, nahe bei Odessa; vor zehn Jahren kam er nach Berlin. Für ihn ist es eine Tradition geworden, den Tag des Kriegsendes mit einem Konzert sowjetischer Soldatenlieder zu begehen. Wer den 1. Mai politisch verschläft, bekommt am Abend des Befreiungstages noch einmal eine Chance voller Pathos und Sentiment in den Hackeschen Höfen: heraus zum 8. Mai - Hitler kaputt, Druschba!

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