Berlin : Hämmern unterm Pharao

Monatelang haben sich 10000 Aussteller auf die Tourismusbörse vorbereitet. Allein der Aufbau dauerte zehn Tage

Björn Rosen

Für Kim Lorei und Erich Barth hat die Internationale Tourismus Börse (ITB), die heute um zehn Uhr offiziell startet, schon vor neun Tagen begonnen. Lorei, der aus Fredericksburg im Bundesstaat Virginia stammt, und sein deutscher Kollege Barth arbeiten für B-FOR, einer amerikanischen Firma, die Messen aufbaut. „Um 70 Messen kümmern wir uns im Jahr“, erzählt Barth, „aber die ITB ist ohne Frage der Höhepunkt, höchstens die Ernährungsmesse Anuga in Köln kommt da heran.“ B-FOR hat den „See America“-Pavillon in Halle 4.2 aufgebaut – 47 Leute haben dort seit dem 3. März Teppiche verlegt, Holzwände errichtet, Lampen angeschlossen, Möbel herbeigeschafft. Die komplette Einrichtung für die Halle wiegt 240 Tonnen, sieben Sattelzüge haben sie nach Berlin gebracht. Nach der ITB geht es weiter in Richtung Göteborg. In der schwedischen Stadt findet die nächste große Reisemesse statt, sie beginnt schon am 25. März.

So tadellos sich die ITB vom heutigen Freitag bis zum Dienstag nächster Woche präsentieren wird, so chaotisch sahen die Messehallen unter dem Funkturm teilweise noch am Donnerstag aus. Fast 10000 Aussteller aus 178 Ländern mussten insgesamt aufbauen. Während der luxemburgische Stand am Donnerstagvormittag mit frisch gesaugtem Teppichboden und sortierten Katalogen wirkte, als habe die Messe schon begonnen, wurden in der Halle der Balearen noch Holzleisten gesägt, die Franzosen mussten noch einmal mit der Bohrmaschine ran. Den Besuchern werden diesmal nicht nur Kataloge, sondern auch sehr viele bunte Attraktionen geboten. Die Ägypter zum Beispiel zeigen eine große Maske Tut Ench Amuns, in vielen Hallen kann man Musik aus aller Welt lauschen. Zwischen zwei Hallen sind sogar Original-Waggons des Luxus-Zuges Orient-Express zu sehen. Viele Attraktionen aber bedeuten viel Arbeit hinter den Kulissen. „Wahnsinnig viel Arbeit. Die ITB ist die größte Reisemesse der Welt und Deutschland ist das wichtigste Land für uns“, sagt ein Mitarbeiter in der Ägypten-Halle. „Deshalb bereiten wir uns monatelang auf Berlin vor.“

Im Gegensatz zu den Männern und Frauen, die alles im Innern der Halle aufbauen, reisen die Aussteller erst ein oder zwei Tage vorher an. Stefanie Ahlers von „California Tourism“ erklärt: „Wir kommen, wenn schon alles fertig aufgebaut ist. Jetzt lagern wir Kataloge ein, ein paar Tausend haben wir mitgebracht. Außerdem Wein und Walnüsse, die wir den Besuchern anbieten.“ Am Eröffnungstag soll alles perfekt aussehen. „Am Tag davor arbeiten wir deshalb oft bis spät nach Mitternacht“, sagt Kim Lorei. In den nächsten Tagen haben er und seine Kollegen erst einmal Ruhe, nur zwei bleiben auf der Messe, um die Technik zu überwachen.

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