Berlin : Händchen halten am Kanal

Hunderte Baumfreunde trafen sich gestern in Kreuzberg und bildeten eine Menschenkette – zum Protest gegen weitere Fällaktionen

Eine Menschenkette gegen die Kettensäge stellte sich gestern in Kreuzberg auf die Straße. Mehrere hundert Anwohner beteiligten sich an dem Protest gegen die Baumfällungen am Landwehrkanal. Vor allem an der Admiralbrücke und an der Kottbusser Brücke kamen viele Menschen zusammen, Frauen mit Megafonen riefen unermüdlich „Rettet die Bäume“.

Um 15.20 Uhr ließ die Polizei sogar zu, dass die menschliche Kette quer über die Fahrbahnen geschlossen werden durfte. Organisatorin Elisa Gelewski sprach hinterher von 2000 Teilnehmern und kündigte an, dass die Ketten-Aktion am ersten Sonnabend im September wiederholt werden solle. Schließlich sind die Fronten im Baumstreit am Kanal verhärtet, nachdem das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) des Bundes in einer Überraschungsaktion Anfang dieses Monats 22 Bäume umsägen ließ, während zur gleichen Zeit im Kreuzberger Rathaus noch über deren Rettung verhandelt wurde. Dies nehmen die Demonstranten übel, sie befürchten einen Kahlschlag am Kanal.

Im April war an zwei Stellen die Ufermauer eingestürzt, das Amt wollte daraufhin 200 Bäume kappen, weil deren Wurzeln angeblich die Mauern beschädigen. Dadurch avancierte WSA-Chef Hartmut Brockelmann rasch zu einer der unbeliebtesten Personen im Bezirk. Eine Bürgerinitiative erreichte, dass sich diese Zahl deutlich reduzierte. Insgesamt wurden am elf Kilometer langen Kanal 37 Bäume gefällt, weitere zurückgeschnitten. Unterdessen stehen am U-Bahnhof Möckernbrücke die ersten der metergroßen Betonwürfel, mit denen gefährdete Bäume stabilisiert werden sollen. Angesichts ihrer Dimensionen hält sich die Begeisterung in Grenzen, „aber besser Klötze als Kettensägen“, sagte eine Demonstrantin. Ha

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