Berlin : Händchen halten für den Bahnhof Zoo

Weiter Proteste für den Stopp von Fernzügen: Menschenkette geplant

Klaus Kurpjuweit

Bahnchef Hartmut Mehdorn hat noch keine Ruhe: Die Proteste gegen das Ende Mai vollzogene Aus als Fernbahnstation gehen weiter. Auch der Senat, der will, dass wenigstens einige der ICE- und IC-Züge wieder im Bahnhof Zoo halten, setzt seine Gespräche mit der Bahn fort. Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen (SPD) will sich zusammen mit ihren Mitstreitern weitere „pfiffige Aktionen“ einfallen lassen. Als Nächstes soll sich am 10. August eine Menschenkette um den Bahnhof bilden. Auch bahnintern mehren sich, wie berichtet, die Stimmen für einen Halt der Fernzüge am Zoo – obwohl die Bahn offiziell erklärt hat, dies sei nicht mehr vorgesehen.

Dabei geht es bei der Bahn inzwischen auch ums Geschäft. Den Verzicht auf den Halt der Fernzüge hatte die Bahn zwar damit begründet, dass sie so Fahrzeit spare, in Wirklichkeit sollten aber Kunden in den neuen Hauptbahnhof gebracht werden, um dort die rund 80 Geschäfte und Restaurants vermieten zu können. Der Bahnhof ist jetzt auch gut gefüllt, denn nach Angaben der Bahn kommen täglich bis zu 300 000 Fahrgäste in den „Glaspalast“.

Im Zoo dagegen kämpfen viele der Geschäfte ums Überleben. Sie hatten vor allem von den Einkäufen der Kunden im Fernverkehr gelebt. Inhaber klagten über Umsatzrückgänge zwischen 30 und 70 Prozent, berichtet die ehemalige Pfarrerin Helga Frisch, die rund 125 000 Unterschriften für den Zoo als Fernbahnhof gesammelt hat. Auch in vielen Geschäften liegen die Listen aus; 5000 seien ihr allein am Wochenende von einem Laden zugeschickt worden, sagt Frisch. Im Zoo scheint die Rechnung der Bahn, dass die Läden auch von den Kunden im Regionalverkehr leben können, wie in den Bahnhöfen Alexanderplatz und Friedrichstraße, nicht aufgegangen zu sein. Schließen die Geschäfte, fehlen nicht nur Mieteinnahmen. Auch das Image verschlechtert sich.

Mit Einbußen hätten die Läden aber auf jeden Fall rechnen müssen, denn auch wenn die Fernzüge, die weiter auf der Stadtbahn fahren, halten würden, gäbe es weniger Züge als vor der Eröffnung des Hauptbahnhofs Ende Mai. Im Nord-Süd-Verkehr fahren die Züge nämlich durch den neuen Tunnel. Von den vorher rund 20 000 Fahrgästen im Fernverkehr wären dem Zoo 10 000 geblieben.

Zum Fahrzeitgewinn der Züge, den die Bahn angeblich erreichen wollte, ist es, wie berichtet, auch nicht gekommen. Die ICEs, die vom Ostbahnhof bis Spandau nur im Hauptbahnhof halten, sind nur wenige Minuten schneller als die Regionalbahn, die gleich fünf Mal stoppt. Häufig hält der ICE sogar vor dem Bahnhof Zoo auf freier Strecke oder passiert ihn nur im Schritttempo.

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