Berlin : Händeschütteln im Akkord

Stundenlang warteten die Fans auf Clinton. Dafür wurden sie mehrfach belohnt

Lars von Törne

Wie praktisch, dass er Linkshänder ist. So kann Bill Clinton am Sonntagabend bei Dussmann zwei wichtige Dinge gleichzeitig machen: Rechts schüttelt er die Hände seiner Fans, links schreibt er „Bill Clinton“ in seine Biographie, die ihm flinke Helferinnen pausenlos vorlegen. Der ehemalige US-Präsident ist ein fleißiger Akkordarbeiter, knapp zwei Stunden lang: Eine Sekunde dauert der Händedruck samt grüßendem Lächeln, vier Sekunden die Unterschrift, dann noch schnell ein „Viel Spaß“ aus seinem Munde, und schon ist der nächste dran.

Hunderte von Verehrern erwiesen ihm am Wochenende die Ehre. Stundenlang standen sie am Sonntag vor seinem Hotel oder harrten vor Dussmann aus. Vor dem Adlon, in dem er statt des ursprünglich geplanten Interconti wohnte, drängten sich den ganzen Tag über zahllose Schaulustige. Drei Mal wurde ihre Ausdauer belohnt: Kurz vor 12 Uhr verließen Clinton und sein aus Amerika mitgebrachter Sicherheits- Tross unter Jubel und „Bill“-Rufen das Adlon, um zu einem Fernsehstudio zu fahren. Gegen 16 Uhr schlenderte Clinton – zum Entsetzen seiner Leibwächter – umringt von Menschenmassen zu einem Souvenirshop Unter den Linden, um Berlin-Postkarten zu kaufen. Am frühen Abend machte er sich dann auf den Weg zu Dussmann in der Friedrichstraße.

Dort bewies die Zehlendorfer Schülerin Anna-Victoria Haas die größte Geduld. Schon um 12 Uhr stand die 16-Jährige aufgeregt vor dem verschlossenen Eingang. „Ich will sicher sein, dass ich auch wirklich ein Autogramm bekomme“, sagte sie. Das soll ein Geschenk für ihren Vater sein, mit dem sie die Leidenschaft fürs Autogrammsammeln wie auch die Bewunderung für Bill Clinton teilt. Von dessen Ausstrahlung schwärmen viele an diesem Tag. „Ich habe ihn mal im Urlaub in Washington gesehen und war begeistert, wie locker und freundlich er wirkte“, berichtet Verwaltungsangestellte Janni Berger. Und Verkäufer Frank Nickel aus Hellersdorf schwärmt von den Amerikanern, die zu DDR-Zeiten in der US–Botschaft Beatles-Filme gezeigt hatten und ihm zum Abschied eine Stars-and-Stripes- Flagge gaben: „Seitdem ist Amerika das Land meiner Träume.“


Dieses Buch bestellen – Bill Clinton: Mein Leben. Econ-Verlag, Berlin, 2004. 28,00 Euro.

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