Berlin : Häppchen und Schnäppchen

Es gibt viele Möglichkeiten, sich durch die Messehallen zu schlemmen Wir bieten drei Touren: für Schnorrer, Frischluftfanatiker und Abenteurer

Jens Mühling

Das letzte Wochenende der Grünen Woche ist angebrochen, und es dürfte noch mal so richtig voll werden. Angst, im Gedränge die Orientierung zu verlieren? Da helfen vielleicht unsere „Wanderrouten“ übers Messegelände.

Die Schnäppchen-Tour

Ein weit verbreitetes Vorurteil besagt, früher habe es bei der Grünen Woche viel mehr umsonst gegeben. Eine Fundgrube für Schnäppchenjäger und Häppchensammler ist die Messe aber nach wie vor. Freigiebig sind heute vor allem die neuen EU-Länder, die ihre Waren in Westeuropa platzieren wollen. Wer gerne umsonst isst, sollte sich deshalb ostwärts an der Achse Berlin-Moskau entlangfuttern. Zunächst ist allerdings Vorsicht geboten: In Halle 14.1 locken norddeutsche Fischhändler mit Sonderangeboten („und noch ein Barsch, und noch einer, und alles für nur zehn Euro“), die nicht immer welche sind. Besser bedient ist, wer sparen will, in Halle 15.1, in der besonders die Polen jede Menge gratis verteilen. Ähnlich freigiebig sind die Rumänen und Slowaken in Halle 18. Links um die Ecke (Halle 11.2) dann das Highlight der Schnäppchen-Tour: Lettische Kaviar-Häppchen für einen Euro! Danach ein Abstecher zu Halle 9, wo sich der Preisbewusste mit Naturwachs umsonst die Schuhe putzen lässt, bevor er in Halle 7.2a an sämtlichen Ständen der Ukraine-Ausstellung mindestens eine Teigtasche schnorrt. Das stärkt den Magen für Halle 2.2, wo russische Aussteller mehr Wodka umsonst ausschenken, als irgendein Berliner vertragen könnte. Wer danach noch gehen kann, erfrischt sich in Halle 23a mit einem kostenlosen Glas Wasser von den Berliner Wasserbetrieben.

Die Fitness-Tour

Wer es lieber gesund mag, beginnt mit Halle 16 und probiert österreichische Naturkosmetik wie Molke- Shampoo. In Halle 18 erzählen niederländische Aussteller etwas über die gesundheitlichen Vorzüge von Blumen am Arbeitsplatz, in Halle 20 gibt es eine Milchbar. Links um die Ecke (Halle 21b) informieren sich Frischluftfanatiker über Urlaub auf dem Bauernhof. Wer seine Freizeit lieber sportlich gestaltet, sieht sich die Teilmesse „Jagd und Angeln“ in Halle 26 an. Etwas mehr Zeit einplanen sollten Körperbewusste für Halle 6.2a: Hier gibt es nicht nur Biokost, sondern auch Literatur zum Thema. Letzte Station und Highlight der Fitness-Tour: die Wohlfühlmesse „Wellness Plus“ in Halle 2.1.

Die Exotik-Tour

Ein weiteres Vorurteil besagt, die Grüne Woche biete keine exotischen Entdeckungen mehr. Stimmt definitiv nicht. Da ist zunächst das „Deutsche Sattelschwein“ in Halle 25: eine gefährdete Rasse, die man zwar nicht gleich essen, aber bestaunen sollte – genau wie die Riesenspinnen in Halle 1.2. Nebenan in der Russland-Halle geht es dann los mit kulinarischen Entdeckungen: Rentierpastete, zubereitet von den Jamalo-Nenzen, einem nordrussischen Volksstamm, der sich auch hervorragend auf Räucherfisch versteht. Eine Halle weiter (4.2) gibt es mongolischen Wodka und kasachische Stutenmilch. Rechts abbiegen zu Halle 7.2b, wo marokkanische Gewürze und Roter Ginseng aus Korea verkostet werden wollen. Ein kurzer Stopp in Halle 10.2, um tschechische Austernpilze zu probieren, bevor in Halle 18 das Tour-Highlight wartet: australische Känguru-Currywurst, Krokodilspfanne und japanisches Kobe-Rind. Letzteres wird nach Aussage des Verkäufers „mit Mais gefüttert, mit Bier getränkt, mit Sake massiert und mit Beethoven beschallt“.

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