Berlin : Häufiger zahlen fürs Parken

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Die gebührenpflichtigen Parkbereiche im Zentrum werden in den kommenden Jahren ausgeweitet. Die Parkraumbewirtschaftung ist nämlich nach Ansicht von Experten eines der wirksamsten Mittel, um den Verkehr zu regulieren. Handlungsbedarf besteht, denn nach den Prognosen wird der Verkehr vor allem zwischen Berlin und dem Umland zunehmen. Um 40 Prozent werden die heute 870 000 Fahrten an Werktagen bis zum Jahr 2015 steigen. In der Stadt bleibt es nach den Berechnungen der Experten bei den derzeit 9 Millionen Fahrten pro Werktag.

Die zurückgelegten Wege werden künftig länger, was den Anteil der Fußgänger und Radfahrer am Verkehr schrumpfen lässt. Heute werden 24,6 Prozent der Wege zu Fuß absolviert, 10,4 Prozent mit dem Rad, 27,3 Prozent mit Bahnen und Bussen, 28,5 Prozent mit dem Auto, und 9,2 Prozent sind Mitfahrer in Autos. Wie sich dieser Mix ändern wird, hängt von der Verkehrspolitik ab.

Festgelegt wird sie für die Jahre bis 2015 im so genannten Stadtentwicklungsplan Verkehr, StEP genannt, der nach eineinhalbjähriger Arbeit im Sommer fertig sein soll, wie Staatssekretärin Maria Krautzberger (SPD) jetzt sagte. Bei der Planung wird die Verwaltung von einem „Runden Tisch“ unterstützt, ein wissenschaftlicher Beirat berät die Gremien. Rund 150 Vorschläge, wie der Verkehr eingedämmt werden kann, sind diskutiert worden. Entscheidungen, die vom Senat und dem Parlament getroffen werden müssen, sind noch nicht gefallen. Weitgehend einig sind sich die Experten, dass gebührenpflichtige Parkzonen ein wirksames Mittel sind. SPD und PDS hatten vereinbart, diese Gebiete auszudehnen.

Weitere Maßnahmen könnte Tempo 30 auf einem Teil der Hauptstraßen sein. Vorgeschlagen werden zudem Straßenverengungen oder Ampelschaltungen, die den größeren Teil des Verkehrs zum Beispiel um die Innenstadt herumführen. Eine Maut für Fahrten ins Zentrum, wie es in London vorbereitet wird, werde es aber nicht geben, kündigte Krautzberger an. Berlin gilt bei den Verkehrsexperten als „Paradies für Autofahrer“. Ständige Staus gebe es kaum, und in kaum einer Metropole sei die Reisegeschwindigkeit mit dem Auto so hoch wie in Berlin, sagte Friedemann Kunst von der Stadtentwicklungsverwaltung. Sie liege bei 20 bis 25 km/h. Mit Bussen und Bahnen lege man im Durchschnitt nur 12 bis 14 km/h zurück.

Neu für Berlin sei, dass verstärkt die Fußgänger und Radfahrer berücksichtigt würden, sagte Axel Friedrich vom Umweltbundesamt. Investitionen für den Radverkehr ersparten den Städten auf Dauer hohe Kosten. Geld für aufwändige Neubauten von Straßen oder Anlagen für Schnellbahnen gebe es kaum noch, sind sich die Experten auch hier einig. Der Schwerpunkt der Investitionen in den kommenden Jahren müsse in die Instandhaltung vorhandener Anlagen gesteckt werden. Klaus Kurpjuweit

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