Berlin : Häuschen, wechsle dich

Christian van Lessen

Der Einzug war heimlich, und die Nachbarn in der Pücklerstraße in Dahlem merkten nur an den häufigen Streifenfahrten der Polizei, dass der berühmte Nachbar ins Anwesen Nummer 14 eingezogen war. Nun ist Gerhard Schröder nach zwei Jahren endgültig ausgezogen, hat sein Bett im neuen Kanzleramt aufgeschlagen. Das Bundespräsidialamt will die Villa Anfang 2002 übernehmen, Bundespräsdident Johannes Rau wird aber in seiner Villa an der Miquelstraße wohnen bleiben - dort, wo eigentlich Bundestagspräsident Wolfgang Thierse hatte wohnen sollen, den es aber in seiner Wohnung in Prenzlauer Berg gehalten hatte.

Zum Thema Newsticker: Aktuelle Meldungen aus Berlin und Brandenburg Das Häuschen-Wechsel-Spiel könnte noch komplizierter werden, wenn im nächsten Jahr ein neuer Bundestagspräsident gewählt werden sollte, der in die Miquelstraße einziehen wollte, dies aber nicht könnte, weil dort noch der Bundespräsident wohnt und sich nicht vertreiben lässt. Es wäre nicht auszuschließen, dass dem neuen Parlamentspräsidenten dann wiederum das Haus an der Pücklerstraße angeboten werden könnte - das aber wiederum einem Rau-Nachfolger ab 2004 vorbehalten sein sollte. "Es ist alles geregelt", versicherte gestern Verwaltungschef Walter Karschies aus dem Bundespräsidialamt, "dann tauscht man die Liegenschaften eben aus".

Während das Bundespräsidialamt gestern betonte, die Übernahme des Hauses sei bereits beschlossene Sache, hieß es aus dem Bundeskanzleramt, die Verhandlungen mit dem Bundespräsdidialamt und dem Bundesfinanzministerim dauerten noch an. Die Frage, welche Aufgaben die Villa an der Pücklerstraße nach der Übernahme des Präsidialamtes haben soll, ist offenbar noch nicht völlig geklärt. Die repräsentativen Räume sind relativ klein. "Das Haus wird nach Möglichkeiten genutzt, die sich dann ergeben", teilte Karschies mit und wollte sich zu Einzelheiten nicht äußern. Einen Leerstand werde es jedenfalls nicht geben. Derartige Befürchtungen waren bereits aus der Bundesvermögensverwaltung laut geworden, die "kritische Fragen" erwartete. Die Verwaltung wacht allerdings nur über das allgemeine Grundvermögen des Bundes und hat auf das so genannte Ressortvermögen keinen Einfluss. Sie ist aber nach der Bundeshaushaltsordnung verpflichtet, nicht benötigte Bundesliegenschaften ins allgemeine Vermögen zu überführen und gegebenenfalls zu veräußern. Die Berliner Architektin Gesine Weinmiller hatte nach Wünschen der künftigen Bewohner sorgfältig das Innere entworfen, Wände herausgerissen und neue Bäder eingebaut - und musste doch damit rechnen, dass sich an ihrer Arbeit langfristig andere freuen werden. Im ersten Stock waren rund 150 Quadratmeter für die Familie Schröder hergerichtet worden. Es entstanden zwei Schlafzimmer, ein Wohnzimmer, eine Küche - alles modern möbliert. Die Wände wurden in einem sandfarbenen Ton gespachtelt, es gab keine Tapeten. Im Erdgeschoss wurden die Empfangsräume angelegt, zu denen zwei Salons und ein großes Speisezimmer mit Kamin gehörten.

Schröders einstige Dienstvilla liegt in einem Garten, ist hinter Bäumen verborgen. Den Zutritt zum Grundstück verwehrt ein mit grünem Naturstein verkleidetes Wachhäuschen, das neu errichtet wurde. Zu den Schutzeinrichtungen gehören auch eine Video-Überwachungsanlage sowie dickes Sicherheitsglas für die Fensterscheiben.

Die Villa mit Rundbogengiebel war 1912 für den Fabrikanten Julius Wurmbach errichtet worden, die alte Eichenholztreppe wurde vor dem Kanzlereinzug restauriert, ebenso der Parkettboden und der Stuck an der Decke. Weinmiller hatte auch schon die Dienstvilla der früheren Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth umgebaut, die sich nicht lange an dem Interieur erfreuen konnte. Auch der Kanzler hat nicht lange den Komfort im Dahlemer Heim genießen können. Seine Frau Doris und Tochter Clara gaben ohnehin der Dreizimmer-Wohnung in Hannover den Vorzug.

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