Hafenfest in Berlin-Mitte : Die schwimmenden Holländer

Beim historischen Hafenfest im Nikolaiviertel gibt es einiges zu entdecken: Zum Beispiel erinnern vier Boote aus den Niederlanden an die deutsche Teilung - und Mauern auf der ganzen Welt.

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Über Wasser. 28 Boote mit mehr als 200 Niederländern durften 1987 nach West-Berlin fahren. Die Fahrt gilt als „erste Passagierschifffahrt nach Kriegsende“.
Über Wasser. 28 Boote mit mehr als 200 Niederländern durften 1987 nach West-Berlin fahren. Die Fahrt gilt als „erste...Foto: ullstein bild

Es war eine Sensation, als am 25. Juli 1987 28 niederländische Boote mit insgesamt mehr als 200 Niederländern an Bord in West-Berlin eintrafen, um am Berliner Wasserkorso quer durch die Stadt im Rahmen der 750-Jahr-Feier teilzunehmen. Da die Niederländer während des Transits durch die DDR ausnahmsweise an Bord der Boote bleiben durften, galt diese Fahrt als erste „Passagierschifffahrt seit Kriegsende“. Normalerweise war Frachtschiffen nur eine Besatzung im Transit erlaubt, Sportboote wurden von Frachtern geschleppt oder im Frachter transportiert. Organisator Reid de Jong hatte gute Kontakte zu beiden Botschaften in den Niederlanden und schließlich die Reise eingefädelt. Der Tour de France war übrigens damals der Transit verwehrt worden.

Zur Erinnerung an diese denkwürdige Fahrt, die schon 1987 die Mauern sprengte – die Niederländer nahmen anschließend auch am Wasserkorso auf dem Müggelsee teil –, schickt die Initiative Wallbreakers wieder vier niederländische Frachtsegler nach Berlin, um an die trennenden Mauern überall auf der Welt zu erinnern. Anlass für die Niederländer ist der 25. Jahrestag des Mauerfalls in Berlin. Mit ihrer Fahrt wollen sie auch an die alten und neuen Mauern erinnern, zwischen Palästina und Israel, Mexico und den USA, die Mauer in Nordirland, den Zaun zwischen Spanien und Marokko und zwischen Nordkorea und China sowie Russland und Georgien. Auch Indien und Bangladesch trennt eine Grenze aus Zäunen und Mauern.

Die vier Boote liegen im Rahmen des Hafenfestes Berlin bis zum 3. September im Historischen Hafen an der Mühlendammschleuse gegenüber der Niederländischen Botschaft. Sie brachten Kaffee, Kakao, Schokolade und zwei Rumfässer der Reederei Fair Transport mit sowie 20 000 Tulpenzwiebeln für den Bezirk Mitte mit. Auf dem Rückweg werden sie drei ganze Mauerstücke mitnehmen, die von in Berlin lebenden niederländischen Künstlern bemalt wurden. Sie sind Teil eines großen Kunstprojekts, das am 9. November auf dem Gelände des Kulturzentrums Melkweg in Amsterdam ausgestellt wird. Auf dem Boot „Heimatland“ wird eine Ausstellung zu den heutigen Mauerkünstlern und der historischen Reise von 1987 gezeigt.

Geöffnet ist die Ausstellung am 30. und 31. August von 11 bis 19 Uhr. Eintritt frei. Weitere Infos unter: www.wallbreakers.eu/de

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