Berlin : Haft nach Messerstichen gegen jungen Libanesen

Brüder hassten Freund der Schwester. Urteil gefällt

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Um die „Ehre“ ging aus Sicht der Richter. Nach einem Angriff auf den Freund seiner 16-jährigen Schwester verhängten sie gegen den 23-jährigen Mohamad M. dreieinhalb Jahre Gefängnis. Sein 18-jähriger Bruder und ein 24-jähriger Mitangeklagter wurden zu je zwei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. „Wir sind überzeugt, sie hatten vor, ihn zu töten“, so das Gericht. Von diesem Vorhaben haben sie aber abgelassen, seien „freiwillig zurückgetreten“, so beschreiben das die Richter. Die Täter wurden der gefährlichen Körperverletzung schuldig gesprochen.

Die Anklage gegen die arabischstämmigen Männer lautete ursprünglich auf Mordversuch. Das ergab sich aus den ersten Aussagen der Schwester und ihres 19-jährigen Freundes. Doch Ghassan Al-D. zog seine Beschuldigungen zurück und sagte, es habe keinen Messerangriff gegeben. Die Schwester schwieg im Prozess. Es hat sich inzwischen vieles verändert. Das Paar ist nach islamischem Recht verheiratet. Al-D. bekam 1800 Euro. Das Geld sei eine „Wiedergutmachung“, sagten Verteidiger. „Hier wurde versucht, so ein schweres Delikt unter Familien zu regeln“, hieß es im Urteil. Es ging um Sara, die sich in Al-D. verliebt hatte. Er stammt aus dem Libanon und ist ebenfalls Muslim. Aus Sicht der Ermittler war es vor allem Mohamad M., der älteste Bruder, der die Beziehung nicht akzeptieren wollte. Er habe diese als „Verletzung der Familienehre zutiefst missbilligt", hieß es in der Anlage. Dagegen sagten Verteidiger, Al-D. sei wegen vermuteter Drogengeschäfte abgelehnt worden. Eine „gewisse Erregung“ sei zu verstehen. Mit „Ehre“ habe der Vorfall vom 11. November 2010 am Weddinger Gesundbrunnencenter nichts zu tun.

Mohamad M. entdeckte an jenem Abend ein Handy, das sich seine Schwester heimlich besorgt hatte. Er sah, dass sie noch immer Kontakt zu Al-D. hatte. Er schlug sie – ein heftiger Angriff war es nach Saras Aussage. Doch diesen und weitere Vorwürfe wiederholte sie später nicht mehr. Mohamad M. verlangte, dass sie ihren Freund zu einem nächtlichen Treffen bestellt. M. fuhr mit ihr los. Der jüngere Bruder schloss sich an, in einem weiteren Auto folgten auch die Mutter und Großmutter.

Der erkrankte Vater blieb zu Hause und befürchtete offenbar Unheil. Er rief einen guten Freund an. Der 40-Jährige machte sich auf den Weg und griff ein. Die Angeklagten sollen Al-D. geschlagen und getreten haben. „Du wirst sterben, das ist Ehre, kein Spaß“, soll gedroht worden sein. Mohamad M. zog ein Messer. „Er drohte nur in Richtung Al-D.“, sagte sein Anwalt und plädierte auf Bewährung. Die Richter hielten die ersten Aussagen des 19-Jährigen für glaubhaft, wonach es Stiche in seine Richtung gab, leichte Verletzungen. Das Urteil entsprach im Wesentlichen dem Antrag der Staatsanwältin. Kerstin Gehrke

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