Berlin : Haftbefehl für Mieter nach Gasexplosion

45-jähriger Verdächtiger ist außer Lebensgefahr. Nachbarn spenden für Bewohner des zerstörten Hauses

Tanja Buntrock

Der 45-jährige Walter K., der verdächtigt wird, eine Gasexplosion in einem Wohnhaus in Oberschöneweide ausgelöst zu haben, erhielt gestern Haftbefehl. Walter K. liegt mit schweren Verbrennungen im Krankenhaus, ist aber mittlerweile außer Lebensgefahr. Da er aber noch nicht vernehmungsfähig ist, bekam er einen „symbolischen Haftbefehl“. Das bedeutet, dass der Richter den Haftbefehl in Abwesenheit des Tatverdächtigen ausstellt. Sobald er aufnahmefähig ist, wird der Haftbefehl dann persönlich verkündet.

Am Montag früh war – wie berichtet – das Hinterhaus in der Deulstraße 14 durch eine Gasdetonation völlig zerstört worden. Alle 18 Mieter überlebten. Walter K. wurde als Einziger schwer verletzt, eine 63-jährige Nachbarin kam mit leichteren Verletzungen ins Krankenhaus. Walter K., in dessen Wohnung im zweiten Stock die Explosion höchstwahrscheinlich stattfand, hatte einen Abschiedsbrief bei sich getragen. Deshalb richtete sich der Tatverdacht bereits kurz nach der Katastrophe auf ihn. Wie genau die Detonation ausgelöst worden ist, sei immer noch Gegenstand der Kripo-Ermittlungen, hieß es bei der Polizei. Walter K., der gebürtig aus Unterfranken stammt, hat über vier Jahre in dem Wohnhaus gelebt. Das fast völlig zerstörte Haus wird seit gestern mit Hilfe von speziellen Holzbohlen abgestützt. Die Beamten der Brandkripo suchen nun im Brandschutt nach Spuren. „Das dauert seine Zeit“, sagte ein Polizeisprecher.

Bereits am Montagabend durften die Mieter aus dem Vorderhaus, das sicherheitshalber ebenfalls geräumt wurde, wieder in ihre Wohnungen zurück. Um die Familien aus dem Hinterhaus kümmerten sich dann sowohl das Bezirksamt als auch die Hausverwaltung „Donig“, die für das Wohnhaus in der Deulstraße 14 zuständig ist. „Wir haben sechs Familien in andere Wohnungen, die auch zu uns gehören, vermittelt“, sagt Hausverwalterin Susan Erbe. Die Wohnungen befinden sich ebenfalls in der Deulstraße sowie in der nahe gelegenen Firlstraße. Es seien zum Teil gerade neu gebaute Wohnhäuser oder Wohnungen, die erst kürzlich frei geworden sind. Zwei Familien seien erst einmal bei Verwandten untergekommen. „Die waren mit den Plätzen im Seniorenheim, die das Bezirksamt vermittelt hat, nicht einverstanden“, sagt die Hausverwalterin. Eine Mitarbeiterin des Bezirksamtes bestätigt, dass zwar mehreren Familien Plätze in Notunterkünften angeboten worden seien, „aber die meisten wollten dort nicht hin“. Wie hoch der Sachschaden ist, konnte die Hausverwaltung gestern noch nicht sagen. Die Schadenssumme sei aber „siebenstellig“, hieß es. Heute soll es einen Termin mit Vertretern der Versicherung am Unglücksort geben. Näheres wollte die Hausverwaltung dazu nicht sagen. Der Sprecher des „Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft“ (GDV), Stephan Schweda sagte: „Unabhängig vom Einzelfall gilt erst einmal, dass die Wohngebäudeversicherung des Vermieters und die Hausratversicherungen der Mieter die Schäden ersetzen.“ Erst später, wenn fest steht, dass es einen Verursacher für den Schaden gegeben hat, „holen sich diese Versicherungen das Geld vom Verursacher wieder“.

Verschiedene Anwohner hätten bereits angeboten, für die Mieter des zerstörten Hauses zu spenden. „Ich werde das prüfen und gegebenfalls Spenden an Bewohner, die etwas benötigen, weiterleiten“, sagt die Hausverwalterin.

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