Berlin : Haftstrafe für 18-Jährigen, der sein Baby verprügelte

Schluchzend bestritt der junge Vater die Misshandlung seines Sohnes Die Richter glaubten ihm nicht und schicken ihn anderthalb Jahre ins Gefängnis

Kerstin Gehrke

Die Bilder von seinem misshandelten Baby, die als Beweismittel auf dem Richtertisch liegen, will Dustin K. nicht noch einmal sehen. Er senkt den Kopf. „Ich habe es nicht getan“, schluchzt er. „Ich habe in meiner Kindheit selber viel abbekommen, würde so etwas nicht mit meinem Sohn machen.“ Die Indizien aber sprechen gegen den 18-Jährigen, der seinen drei Monate alten Sohn grün und blau geschlagen haben soll.

Der kleine Leon war am Abend des 16. September mit Hämatomen im Gesicht und am Gesäß ins Krankenhaus gekommen. Die 18-jährige Mutter will an eine Erkrankung gedacht haben. Für die Ärzte aber ergab sich schnell der „hochgradige“ Verdacht auf eine Misshandlung. Sie meldeten den Fall der Polizei. An jenem Tag war Dustin K. knapp sechs Stunden lang allein mit Leon. Aus Sicht der Ermittler kam nur er als Täter in Frage. Er wurde vorläufig festgenommen, erhielt dann Haftverschonung, Meldeauflagen und ein Kontaktverbot zu Mutter und Kind. Leon, der keine bleibenden Schäden hat, kam vorübergehend zu einer Pflegefamilie.

„Ich habe mich gefreut auf das Kind", sagt der Angeklagte. Bei der Geburt sei er dabei gewesen, habe sich „natürlich“ um das Baby gekümmert, es gefüttert und gewickelt. Für die blauen Flecken im Gesicht des Kleinen hat er auch eine Erklärung. „Er lag auf meiner Handfläche und schlief, etwa eine Stunde lang.“ Das nimmt ihm der Vorsitzende Richter nicht ab. Es sei „unmöglich, dass es dadurch zur Hämatombildung kam“. Wieder versichert Dustin K., dass er Leon nicht geschlagen hat, dass er sich die blauen Flecken wirklich nicht erklären könne.

Aber die Beteuerungen fruchten nichts. An jenem 16. September war Dustin K. allein mit Leon. Für den Staatsanwalt steht deshalb fest: „Er ist der Einzige, der für die Verletzung verantwortlich sein kann.“ Dustin K. habe seinen Sohn „mehrfach ganz erheblich geschlagen“. Der junge Vater schüttelt weiter den Kopf. Er will es nicht gewesen sein. Er habe so große Hoffnungen in eine eigene Familie gesetzt, erzählt er dem Gericht. Dustin und Ulrike lernten sich vor zwei Jahren kennen. Anfang des Jahres zogen sie zusammen in eine Zwei-Zimmer-Wohnung in Oberschöneweide — mit Unterstützung des Jugendamtes. Als Leon geboren war, kam zunächst regelmäßig eine Hebamme. Alles sei in Ordnung gewesen. Dustin K. erzählt auch von seiner schlimmen Kindheit. „Ich wurde von meinem Vater und meinem Stiefvater geschlagen“, sagt er. Aber der Richter hält ihm vor, dass er selbst den kleinen Leon geschlagen habe, nicht der Vater und nicht der Schwiegervater.

Erschwerend kam für Dustin K. hinzu, dass er bereit sieben Eintragungen wegen Diebstahls, Sachbeschädigung oder Raubes hatte. Die meisten Verfahren waren eingestellt worden, aber in diesem Fall entschied das Gericht auf eine Jugendstrafe: 18 Monate soll Dustin K. wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen ins Gefängnis. Bewährung komme angesichts der Tat und der Vorbelastungen des Angeklagten nicht in Frage. „Er war nicht reif, Vater zu sein“, steht im Urteil.

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