Berlin : Haftstrafe für tödliche Stiche auf Sextäter

Berlin - Der Teenager, der einen vorbestraften Sexualstraftäter erstochen hatte, ist kein Mörder. Das Landgericht sprach den 16-jährigen John S. am Donnerstag des Totschlags schuldig und verhängte eine Jugendstrafe von drei Jahren und sechs Monaten. Er sei wenige Monate zuvor von dem 55-jährigen Opfer missbraucht worden. Das sei die Triebfeder gewesen. Die Anklage war dagegen von Mord aus niedrigen Beweggründen ausgegangen. S. habe Selbstjustiz geübt.

Der Schüler gehörte zu Jungen, die Harry H. unter anderem mit Computerspielen fast täglich in seine Wohnung im Falkenhagener Feld in Spandau gelockt hatte. Im Juli 2012 war John S. allein dort und wurde Opfer des Mannes. Harry H. war bereits im Jahr 2002 in Dresden wegen schweren Missbrauchs von sieben Kindern zu drei Jahren und sieben Monaten Haft verurteilt worden. Bis Mai 2011 stand er unter Führungsaufsicht und durfte sich Minderjährigen nicht nähern. Am 1. November 2012 ging John S., damals 15 Jahre alt, zu dem Pädophilen. Er wollte ihn offenbar zur Rede stellen. Als er den Mann vor sich sah, „drehte er durch“. Mindestens viermal soll er auf H. eingestochen haben. Als die Polizei kam, saß S. im Treppenhaus. Der Jugendliche, der nicht vorbestraft ist, hob die Arme und fragte: „Darf ich gestehen?“ Er quäle sich mit Selbstvorwürfen, hieß es. K.G.

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