Berlin : Hahnenkampf mit Chili

Indisch essen einmal anders: Beim Finale des Erzählwettbewerbs ging es um exotische Lebensmittel

Viola Zech

„Ich hoffe, Sie mögen Indisch.“ So harmlos beginnt der Abend im „Taj Mahal“, zu dem Direktor Schmalenbach die Erzkonkurrenten Weikert und Luland eingeladen hat. Doch das Essen entwickelt sich zu einem Hahnenkampf der besonderen Art: Die ehrgeizigen Rivalen wetteifern darum, wer das schärfere Essen verträgt. Eine Geschichte, gewürzt mit viel Chili und einem überraschenden Ausgang.

Beim Finale des Tagesspiegel-Erzählwettbewerbs trug Dorothea Beckmann ihren Text „Durchbruch“ so gekonnt vor, dass das Publikum immer wieder in Lachsalven ausbrach. Vor zweieinhalb Jahren hat die Gesangslehrerin und Logopädin aus Münster ihre erste Geschichte geschrieben – ebenfalls für den Erzählwettbewerb des Tagesspiegels. Nun darf sie sich über den Hauptpreis für Erwachsene freuen: eine einwöchige Reise nach Süditalien mit literarisch-kulinarischem Programm, gestiftet vom Museumsrestaurant Eßkultur, einem der Kooperationspartner des Wettbewerbs.

350 junge und erwachsene Leser hatten sich am diesjährigen Erzählwettbewerb zum Thema exotische Lebensmittel beteiligt. Am Sonntagabend trugen zehn Schüler und zehn erwachsene Finalisten in den Museen Dahlem ihre Geschichten vor insgesamt 300 Zuhörern vor. Omid Riazati, zwölf Jahre alt, erzählte mit viel Charme von einem Jungen, der durch den Genuss von Wunderbohnen zum Basketballstar wird, die 14-jährige Rosemarie Eberl gab einen eindringlichen und sprachlich anspruchsvollen Einblick in die Gedankenwelt einer fiktiven Magersüchtigen.

Der Radiojournalist Klaus Pilger beschrieb die Qualen eines jungen Mannes, dessen Freundin nach Kohl riecht. Und Jenny Schon (64) trug die Geschichte ihrer Oma vor, die verdächtigt wird, Opium anzubauen – und sprach dabei gleich drei Sprachen: Hochdeutsch, Rheinisch und Russlanddeutsch.

Zwischen den beiden Endrunden von Schülern und Erwachsenen schmausten junge und erwachsene Finalisten einträchtig an einer langen Tafel, die das Museumsrestaurant Eßkultur für sie und die Juroren gedeckt hatte.

Am Wettbewerb hatten sich 15 Schulklassen beteiligt; der Hauptpreis für Klassen, eine elektronische Smart-Board-Tafel, wurde dem Neuköllner Albrecht-Dürer-Gymnasium zugesprochen. Im Schüler-Finale ging der erste Preis – ein Leuchtglobus, gestiftet von der Reisebuchhandlung Schropp Landkarten, und ein Schnupperpraktikum im RBB – an die jüngste Teilnehmerin, die zehnjährige Sonja Radde, für ihr skurriles „Märchen vom Zuckerwürfelchen, das sprechen konnte“. Diese und andere prämierte Geschichten werden in den nächsten Tagen im Tagesspiegel zu lesen sein.

Informationen unter www.tagesspiegel.de/erzaehlwettbewerb

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben