Berlin : Hai Society

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VON TAG ZU TAG

Christian van Lessen über große Pläne des kleinen Aquariums

Wir hielten unser Berliner Aquarium stets für das Größte. Eine Institution, eine unverrückbare, feste Burg in der Budapester Straße, was auch an dem Aussehen des Bauwerks liegen mag. Dass es 90 geworden ist, das Aquarium, verwirrt uns fast ein wenig, weil wir immer das Gefühl hatten, es müsse mindestens 100 sein, so alt jedenfalls, wie ganz normale Krokodile werden können.

Die Krokodile im Aquarium wirken zwar so lebendig, als seien sie 130, aber sie sind wirklich viel jünger und fühlen sich, verraten uns vertrauensvolle Tierpfleger, so wohl wie die vielen Tausend Fischlein ringsum. Und auch die gepunktete Wurzelmundqualle freut sich mit vielen Artgenossen im Rundaquarium ihres Lebens. An den schwimmenden, kriechenden und krauchenden Tieren liegt es nicht, dass die Freude am runden Geburtstag im ZooAquarium so gedämpft wirkt, so, als melde jemand: Land unter!

Es sind die wirklich großen Fische, die Aquariums-Menschen, die etwas Trübsal blasen. Weil sie glauben, das Aquarium müsse mithalten mit den großen Show-Aquarien dieser Welt und dieser Stadt, in der bald ein privates Aquarium mit großen Haien zu besichtigen ist. Und große Haie will nun auch unser Aquarium zeigen, und noch viel mehr, und alles sowieso in größeren Becken. Unser Aquarium will in die ganz große Liga und spürt, dass es finanzmäßig ins Schwimmen kommt. Wir spüren, dass wir Trost spenden müssen: Für uns bleibt das Aquarium erst mal das Größte. Auch ohne Hai Society.

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