Berlin : Halb legal

Jens Mühling

Es gab mal eine Zeit, da war Berlin berühmt für sein wildes Nachtleben. Aus London und New York strömten Clubber an die Spree, weil internationale Trendjournale Unglaubliches berichteten: Jedes Wochenende, hieß es, würden in Berlin neue Clubs eröffnet, die sich heimlich in leer stehenden Fabrikhallen einnisteten. Ohne Notausgang und Feuerlöscher, ohne Netz und doppelten Boden. „Halb legal“ war das Schlagwort der Stunde, mit dem ein Club für Szenegänger erst interessant wurde: Wer wollte schon im behördlich genehmigten Rahmen feiern, wenn man anderswo mit einem Bein im Knast tanzen konnte! Es gab mal eine Zeit – und jetzt ist sie vorbei. Heute gründen Berliner Clubbetreiber Lobbygruppen und veranstalten Fortbildungsseminare. Sex and Drugs and Rock’n’Roll war gestern – heute heißt das: Lizenzen, Bilanzen und Existenzgründerbeihilfe. (Seite 13)

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