Berlin : Halbe-halbe mit dem Beamten

Jahrelange Abzocke endete für Sozialhilfeempfänger mit Haftstrafe

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Es war nach Darstellung des Angeklagten eine Art Geheimtipp. Nur für Weddinger, nur für ganz bestimmte Sozialhilfeempfänger. Voraussetzung nämlich war, dass sie wie der Mann hinter dem Schreibtisch keine Skrupel hatten und dass sie mit ihm teilen. Der 48-jährige Diplom-Kaufmann Pardeep K. gehörte zu diesem Kreis. Er bekam von einem ehemaligen leitenden Mitarbeiter des Sozialamtes Wedding etwa zwei Jahre lang doppelte Sozialhilfe ausgezahlt. Insgesamt etwa 73 000 Euro, die er mit dem kriminellen Amtsmitarbeiter Thorsten A. teilte.

Seit gestern haben sie beiden noch etwas gemeinsam. Nachdem A. vor einigen Wochen zu drei Jahren Haft verurteilt wurde, erhielt auch der Sozialhilfeempfänger K. jetzt eine Gefängnisstrafe. Das Landgericht sprach ihn der Bestechung in 63 Fällen und der Beihilfe zur Untreue schuldig und verhängte drei Jahre und sechs Monate Haft.

Die Anklage war ursprünglich davon ausgegangen, dass der gebürtige Inder K. mit einer „kleinen Aufmerksamkeit“ den Amtsmitarbeiter erpressbar machte. Er habe ihm eine Playstation geschenkt und danach Geld gefordert, hieß es. Doch letztlich ließ die Staatsanwaltschaft diesen Punkt fallen. Es sei nicht genau zu klären, wer den Anstoß gegeben habe. Den Angeklagten habe man aber nicht überreden müssen.

Pardeep K., der als Textilhändler mit mehreren Firmen gescheitert war und auf einem Berg von Schulden saß, passte genau in das Schema der „auserlesenen Kunden“ des korrupten Amtsmitarbeiters. Thorsten A. hatte mehrere Familien auf seiner betrügerischen Liste. Von der doppelt ausgezahlten Sozialhilfe finanzierte A. vor allem seinen Alkoholkonsum. Insgesamt soll er 250 000 Euro veruntreut haben. Herausgekommen ist die Sache, weil sich A. der Polizei stellte. „Es wollten immer mehr Personen immer mehr und schneller Geld bekommen“, sagte der 49-Jährige nun als Zeuge. Er, der seine Arbeit und seine Pension verlor, wurde aus der Haft vorgeführt. Inzwischen sind mehrere seiner Komplizen verurteilt worden. Vor drei Wochen kam ein Ehepaar mit Bewährungsstrafen davon. Kerstin Gehrke

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