Berlin : Halbe Miete – volle Halle?

Markthalle in Kreuzberger Eisenbahnstraße steht zur Hälfte leer

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Kann nur noch ein Betreiberwechsel die Markthalle in der Kreuzberger Eisenbahnstraße retten? Über 200 Menschen trafen sich Montagabend auf Einladung der AnwohnerInnengruppe Lausitzer Platz in der EmmausKirche, um über die Zukunft der Markthalle zu diskutieren.

„Halbe Miete – volle Halle?“ – diese Frage stellte Christoph Albrecht von der Initiative zur Diskussion und verwies darauf, dass fast die Hälfte der Verkaufsstände in der Halle leer stehen. Eine Miete von 30 Euro pro Quadratmeter Verkaufsfläche seien einfach nicht mehr zu erwirtschaften. „Und weitere Händler müssen über eine Kündigung nachdenken.“ Dabei arbeite der Eigentümer, die Berliner Großmarkt GmbH mit einer Umsatzrendite von 25 Prozent, wie der SPD-Abgeordnete Stefan Zackenfels berichtete. Doch der Geschäftsführer der Markthallengenossenschaft, Michael Bahr, wies die Forderungen nach einer differenzierten Miete zurück. Bahr verwies auf neue Pläne, zu denen er aber noch nichts genaues sagen könne.

„Dabei denkt er höchstens an eine weitere Ladenkette“, kritisiert Albrecht die Konzeptionslosigkeit der Markthallengenossenschaft. Es bedarf ganz neuer, zeitgemäßer Ideen, sagte er. Zum Beispiel boomt der vor drei Jahren eröffnete Ökomarkt auf dem Lausitzer Platz, dessen Verkaufsfläche hat sich inzwischen verdoppelt. Deswegen gehe es auch nicht um Fragen der fehlenden Kaufkraft, es gehe um attraktive Angebote.

Diese möchte Birgit Arkenstette, Geschäftsführerin des nahe gelegenen Frauenbetriebs Putzmunter GmbH, entwickeln. Dabei wurde auf der Versammlung an abendliche Einkaufsmöglichkeiten oder an eine Öffnung an Sonntagen wie in Frankreich gedacht. Seit einen Jahr bewirbt sich Arkenstette darum, die Markthalle als Trägerin zu übernehmen. „Doch zuerst müssen die Verantwortlichen erkennen, dass es so nicht mehr weitergeht.“ Auch Bausenator Strieder (SPD) hatte erst vor kurzem in seinen „Zwölf Thesen für eine zukunftsfähige Metropolenpolitik“ eine „intelligente Wiederbelebung von Markthallen und -plätzen“ gefordert.chv

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