Berlin : Halle für alle

Händler und Anwohner reden mit beim Konzept für den Marheineke-Markt

Harald Olkus

Er will das Misstrauen abbauen und Händler, Kunden und Anwohner beim Umbau der Marheineke-Halle einbeziehen. Sie sollen über das Konzept abstimmen. Andreas Foidl, Geschäftsführer des Großmarkts, will damit die schlechte Stimmung im Kreuzberger Kiez vertreiben, die in den vergangenen Wochen wegen des geplanten Umbaus entstanden war.

Vergangene Woche präsentierte er seine Pläne zur Neugestaltung. Die „Linse“, eine Weitung der zentralen Gasse durch die Halle, kommt gut an bei den Händlern: „Dort können wir künftig besser Sonderaktionen durchführen“, sagt Angela Spreu, die Sprecherin der Händler. Auch ein Parkhaus im Keller mit 40 Stellplätzen ist willkommen. Die Händler versprechen sich davon mehr Kunden.

Sie würden auch die Schließung der Halle in Kauf nehmen, wenn für die Dauer Ausweichmöglichkeiten geschaffen werden, eventuell in Form von Containern vor der Halle. Eine Bestandsgarantie für alle Händler lehnt Foidl aber ab.

Die zweite wichtige Frage für die Händler ist die Höhe der Standmiete nach einer Wiedereröffnung Anfang 2008. Foidl will gestaffelte Mieten einführen: Stände, die wenig Umsatz machen, aber für das Konzept der Halle notwendig sind, sollen weniger Miete bezahlen als absatzstarke Händler. Im Schnitt wolle er die derzeitige Miete von über 30 Euro pro Quadratmeter aber nicht erhöhen, sagt Foidl.

Auch im Kiez sind Foidls Pläne umstritten. Der Mieterrat Chamissoplatz, der die Diskussion um die Marheinekehalle in Gang gebracht hatte, findet die geplante Glasfront grundsätzlich gut, fragt sich aber, ob dann der Charakter der Halle erhalten bleibt. „Man kann ein Gebäude auch totsanieren“, sagt Christoph Schulz. Ein Parkhaus im Keller lehnt er rundweg ab. „Verkehrspolitisch ist das völlig überholt“, sagt er. Außerdem bringe schon der geplante Neubau eines Geschäftshauses am anderen Ende der Bergmannstraße mehr Autos in den Kiez.

In den vergangenen Wochen hat ein Team von Kulturveranstaltern die unansehnlichen, leer stehenden Stände aufgehübscht und ein tägliches Programm mit Lesungen und Kleinkunst, Kindertheater und Musik auf die Beine gestellt. Dadurch ist wieder mehr Leben in die Halle gekommen.

Foidl will auch die Kunden einbeziehen: In der Broschüre Meine-Markthalle.de, die in der Halle ausliegt und über die Baupläne informiert, können sie einen Coupon ausfüllen und ihre Meinung abgeben. Eine Abstimmung über die Frage, ob Parkhaus oder nicht, wird aber nicht angeboten.

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