Berlin : Haltesignale für die Tram

Die Straßenbahnen sind die teuersten Verkehrsmittel im Netz der BVG Jetzt werden ineffiziente Strecken überprüft – ihr Fortbestand ist fraglich

Klaus Kurpjuweit

Die Straßenbahn steht vor einer ungewissen Zukunft. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) erwägen, das Streckennetz zu verkleinern. „Wir müssen uns überlegen, wie viel Straßenbahn wir brauchen – und was wir uns leisten können“, sagte BVG-Vorstandsmitglied Thomas Necker dem Tagesspiegel. Allein für neue Fahrzeuge müsse das Unternehmen in den nächsten Jahren bis zu 400 Millionen Euro investieren. „Diese Summe können wir allein nicht aufbringen“, so Necker weiter.

Pläne, welche Strecken aufgegeben werden könnten, gibt es noch nicht. „Aber wir können nicht wie bisher weitermachen“, sagt Necker. Bereits kurz nach der Fusion mit den Ost-Berliner Verkehrsbetrieben hatte die BVG die Strecken in Pankow und Köpenick auf die Streichliste gesetzt. Politisch wurde der damalige Vorstand aber daran gehindert, die Pläne umzusetzen. Seither wurde nur die Strecke nach Alt-Glienicke eingestellt.

„Bahnen sind das teuerste Verkehrsmittel“, so Necker. Deshalb müsse überlegt werden, wo der Gleis- und Oberleitungsbau sinnvoll sei. Die Frage stelle sich auch bei Sanierungen im bestehenden Netz. Dass es auch ohne Straßenbahn geht, habe sich in West-Berlin gezeigt, wo die letzte Elektrische 1967 fuhr. Auch in der Stadtentwicklungsverwaltung gibt es seit längerem Pläne, sanierungsbedürftige Strecken mit geringen Fahrgastzahlen aufzugeben – etwa die Verbindung zur Schillerstraße in Niederschönhausen. Ergänzungen im nachfragestarken Netz seien dagegen sinnvoll, sagte Necker.

Etwa 170 Bahnen müsste die BVG ab 2007 für das derzeitige Netz beschaffen. Dann müssen nämlich die Anfang der 90er Jahre modernisierten Tatra-Fahrzeuge erneut aufwändig saniert oder ersetzt werden. Ein mögliches Nachfolgemodell testet die BVG jetzt mehrere Wochen lang. Die „ULF“ genannte Bahn der Wiener Linien, die das Fahrzeug gratis in Berlin fahren lassen, hat eine Einstiegshöhe von nur knapp 20 Zentimetern, während man bei herkömmlichen Niederflurbahnen 30 Zentimeter überwinden muss. „ULF“ steht für „Ultra Low Floor“ oder Ultra-Niederflur. Da sich für den Testbetrieb der Einbau von Fahrscheinautomaten nicht lohnt, darf man umsonst die Testfahrt absolvieren. Begonnen wird wahrscheinlich auf der Linie 3 zwischen Hackescher Markt und der Zingster Straße in Hohenschönhausen.

Die S-Bahn kann dagegen auf Tests verzichten. Sie hat gestern den 1000. und damit letzten Wagen ihrer neuesten Baureihe 481 vom Hersteller Bombardier übernommen. Seit 1996 investierte die S-Bahn dafür rund 1,2 Milliarden Euro. Die neuen S-Bahn-Wagen gelten als besonders zuverlässig: Das Durchschnittsalter der Fahrzeuge sank mit der Neubeschaffung und der gleichzeitigen Ausmusterung der Vorkriegswagen von 43 auf jetzt sechs Jahre.

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