Halteverbot : Supermärkte krallen sich Dauerparker

Falschparker auf Privatparkplätzen müssen schon bald damit rechnen, dass ihr Fahrzeug mit einer Reifenkralle am Wegfahren gehindert wird. Geschäfte, Vermieter und Tankstellen lassen zunehmend ihre Stellflächen überwachen. Das kann für bummelnde Kunden sehr teuer werden.

Jörn Hasselmann
Parkplätze
Die Uhr tickt: Nach zwei Stunden wird es für Parker gefährlich. -Foto: Uwe Steinert

Berlin„In Kürze“ werde man die Parkkralle auch in Berlin einsetzen, kündigte Joachim Gehrke, der Geschäftsführer der Firma „Parkräume“ an, die im Auftrag von Supermarktketten, Wohnungsbaugesellschaften und Krankenhäusern deren Parkplätze überwacht. Bis das Abschleppauto kommt, soll der Sünder mit der Sperre am Wegfahren – und vor allem an der Flucht vor den hohen Kosten – gehindert werden.

Denn Falschparker beschäftigen nicht nur Polizei und Ordnungsämter, sondern eine ganz neue Wirtschaftsbranche: Mehrere Unternehmen haben sich darauf spezialisiert, Autos von Privatparkplätzen abzuschleppen – gegen eine Gebühr, die der bei der Polizei ähnelt. Auftraggeber sind Supermärkte, Vermieter, Krankenhäuser und Tankstellen. Eine der wenigen Firmen, die darüber offen sprechen, ist Kaiser’s. „Dauerparker sind geschäftsschädigend“, begründet Geschäftsführer Tobias Tuchlenski das kompromisslose Vorgehen gehen Langzeitparker. „Wenn alle Plätze belegt sind, fährt der Kunde woanders hin.“ Die Supermarktkette hat das Münchener Unternehmen „Parkräume“ beauftragt, die etwa 100 Märkte mit Kundenparkplätzen zu überwachen.

Autobesitzer, die ihren Wagen nicht wiederfanden, beklagen sich, dass die Firma „Stasi-Methoden“ angewandt habe. Denn „Parkräume“ fährt die Filialen in kurzen Abständen an und fotografiert alle Autos. So wird dokumentiert, seit wann ein Wagen dort steht. Kaiser’s bittet zudem darum, eine Parkscheibe zu benutzen. 90 Minuten dürfen Kunden gratis parken, darauf weisen Schilder hin. „Wir geben zudem 90 Minuten Karenzzeit obendrauf“, sagte Tuchlenski. Wer diese überschreite, werde abgeschleppt. Das kostet dann, je nach Firma 150 bis 250 Euro. Auf den Hinweisschildern ist immer eine Telefonnummer angegeben, die Auskunft gibt, wo das Auto wieder abgeholt werden kann – in der Regel irgendwo in der Nähe auf öffentlichem Straßenrand.

Nils Busch-Petersen vom Handelsverband Berlin-Brandenburg hält die Parkplatzüberwachung für sinnvoll: „Parkplätze sind knapp.“ Die meisten Auftraggeber würden wie Kaiser’s sehr kulant vorgehen. Schranken an den Zufahrten lehnt Kaiser’s-Regionalchef Tuchlenski ab: „Sie wären eine Eintrittsbarriere für Kunden.“ Firmen wie „Parkräume“ oder die Berliner „Sasslog“ haben zudem den Vorteil, dass sie für den Auftraggeber gratis sind – zahlen müssen nur die Parker.

Auf den Internetseiten der Abschleppunternehmen sind sicherheitshalber mehrere Gerichtsurteile abgedruckt – um wütende Autofahrer von weiteren Klagen abzuhalten. Auch Berliner Gerichte halten das Prozedere für zulässig. So hat das Amtsgericht Tempelhof-Kreuzberg eine Autofahrerin zur Zahlung der Abschleppgebühren verurteilt. Die Richterin urteilte, dass das Unternehmen „jeden Pkw abschleppen lassen kann, der dort entgegen der Benutzungsbestimmungen parkt“. Dies gelte auch, wenn noch andere freie Plätze da sind, also keiner behindert wird. Derweil sucht „Parkräume“ neue Mitarbeiter: „Wir sind ein dynamisches, schnell wachsendes Dienstleistungsunternehmen“ heißt es selbstbewusst in der Annonce.

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