Berlin : Hamburg will erneut Polizisten abwerben

339 Nachwuchsbeamte aus Berlin versehen ihren Dienst in der Hansestadt. Bald sollen es 500 sein

Günter Beling

Der Hamburger Senat will weitere Nachwuchspolizisten aus Berlin abziehen: Nach Informationen des Tagesspiegels beabsichtigt die Regierung Ole von Beusts im Falle ihrer Wiederwahl, erneut junge Polizeibeamte an die Elbe zu locken. Erst im Dezember wurden 123 Beamte, die in Berlin ausgebildet worden waren, im Hamburger Rathaus vereidigt. Die Hansestadt spart so pro Person 100 000 Euro Ausbildungskosten. Eine Ausbildungsplatzabgabe an Berlin wird nicht fällig: „Wir sind nicht dazu da, den Berliner Haushalt zu sanieren“, sagte Thomas Model, der Büroleiter von Hamburgs Innensenator Dirk Nockemann.

Der rechtspopulistische Politiker ist so stolz auf seine Neuerwerbungen aus der Hauptstadt, dass er bei ihrer Vereidigung regelrecht ins Schwärmen geriet: „Für diese Demokratie ist die Polizei Schild und Schwert zugleich. Hamburg ist die Hauptstadt der Verbrechensbekämpfung geworden“, sagte Nockemann.

Die 123 Beamten haben in Berlin ihre Laufbahnprüfung erfolgreich abgelegt. Dann übernahm die Hamburger Schutzpolizei 84 Beamte aus Berlin, die Kriminalpolizei 39. Damit sind seit Ende 2002 exakt 339 Beamte direkt nach ihrer Berliner Ausbildung übernommen worden, 500 sollen es werden.

Konrad Freiberg, der Bundeschef der Gewerkschaft der Polizei, kritisierte, dass der Hamburger Senat als Folge der Abwerbung von Berliner Polizisten seine eigenen Ausbildungsplätze in Hamburg reduzieren wolle. Hamburg hatte zunächst ein Rekrutierungsbüro in Berlin eröffnet und Zeitungsanzeigen geschaltet. Das sei nun nicht mehr nötig, sagte Model: „Es gab fast tausend Bewerbungen – mehr, als wir nehmen können.“

Im vergangenen Jahr wurden in Berlin 776 Polizeivollzugsbeamte ausgebildet, knapp 300 davon wurde eine Einstellung im Hamburger Polizeidienst zugesichert. Durch Angebote aus Hamburg und anderen Polizeibehörden sei allen ausgebildeten Polizeischülern eine Weiterbeschäftigung ermöglicht worden, heißt es in der Senatsinnenverwaltung.

Dem Hamburger Beispiel sind schon andere Bundesländer gefolgt. Das Verhältnis zwischen der Berliner und der Hamburger Innenverwaltung habe sich seit dem Abgang Ronald Schills verbessert. Die Berliner Innenverwaltung begrüße es, dass Hamburg Polizeischulabsolventen eine berufliche Perspektive eröffne, sagte deren Sprecher Claus Guggenberger.

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