Berlin : Hamburg will sein Echo zurück

Verschärfte Konkurrenz: Die Hansestadt will Berlin nach der Bambi-Gala auch den Pop-Award abnehmen

werner van bebber

Ein paar Tage noch, dann ist entschieden, ob Berlin nach der Bambi-Verleihung die zweite große Veranstaltung in der Unterhaltungsbranche verliert: Ende April will die in Hamburg residierende Deutsche Phono-Akademie die Wahl zwischen Berlin, Hamburg, Köln und München treffen. Berlin und Hamburg gelten als Hauptkonkurrenten, zumal die glamouröse Echo-Party vor gerade drei Jahren erst von Hamburg nach Berlin gezogen war. Zur Preisverleihung im Februar ließen sich Stars wie Nena, Herbert Grönemeyer und Robbie Williams feiern, Unterhaltungskünstler wie Campino und die Moderatorin Michelle Hunziker kamen.

Berlin konnte Hamburg die Echo-Verleihung abnehmen, weil die Hansestadt vor drei Jahren keinen passenden Veranstaltungsort mehr bot. Jetzt aber gibt es dort die „Color Line Arena“, die modernste Halle in Deutschland. Und in Hamburg, den Eindruck haben die Echo-Verleiher gewonnen, ist man sehr darauf aus, wieder Gastgeber der Stars und Sangeskünstler zu werden.

Wie wichtig die Hamburger Politik den Echo-Preis nimmt, machte Anfang April erst der Finanzsenator Wolfgang Peiner (CDU) deutlich. Vor dem „Übersee-Club“ beschrieb er in einer programmatischen Rede die Strategie, die Hamburg nach vorne bringen soll. Ausdrücklich erwähnte er die - inzwischen gescheiterte - Olympia-Bewerbung und die Verleihung von Bambi und Echo. Ein ambitionierter Senat, eine hochmoderne neue Halle in Hamburg - Berlin hat die Echo-Party durchaus nicht sicher. Im Februar erst hatte der Vorsitzende der Phono-Akademie, Gerd Gebhardt, der „Welt“ gesagt, die Color Line Arena sei „das richtige Ambiente“ für die Preisverleihung. Das ICC steht im Vergleich nicht unbedingt schlechter da. Zumindest hat sich kein Würdenträger der Phono-Akademie zitierfähig so geäußert – zumal die Einrichtung selbst in Kürze nach Berlin ziehen wird. Allerdings sagte der Geschäftsführer Oliver Schulte der dpa vor kurzem, es falle auf, wie intensiv Hamburg sich diesmal um die „Echo“-Verleihung bemühe.

Hamburg konkurriert heftig mit Berlin, denn die Hansestadt hat einiges verloren, zum Beispiel Universal Music. Universal und Sony Music sind neuerdings Berliner Unternehmen; der Musiksender MTV will Anfang 2004 nach Berlin ziehen – die Stadt gilt in der Unterhaltungsbranche als starker Standort. Das Bambi aber hüpft nach Hamburg. Das lässt auf heftige Hamburger Bemühungen schließen.

Damit der Berliner Sog in der Branche erhalten bleibt, habe die Messe der Phono-Akademie „ein gutes Angebot gemacht“, sagt Senatssprecher Michael Donnermeyer. Der FDP-Fraktionsvorsitzende Martin Lindner sagt, wenn Wowereit nicht schlafe, könne der Senat den Medienstandort stärken. Es sei richtig gewesen, dass sich die Messe bei der Love Parade engagiere. Nun solle der Senat die Fördermittel dort konzentrieren, wo sich etwas entwickelt habe - bei der Musikindustrie. Vielleicht schaffe man es sogar, dass die Musikmesse Popkomm von Köln nach Berlin ziehe. Der Medienfachmann der CDU-Fraktion, Michael Braun, hofft, dass sich der Senat jetzt mehr engagiert als bei der Konkurrenz um die Bambi-Verleihung. Da habe er von Burda-Mitarbeitern gehört, dass „in Berlin keiner Interesse hatte“, die Preisverleihung zu behalten. In Mediensachen gebe ein altes Problem - zu viele Zuständige in verschiedenen Verwaltungen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar