Berlin : Hammer-Angebote für den Sommer

Aufrüsten für das Leben im Freien: Das Hauptzollamt lud zur Versteigerung

Sebastian Leber

Eigentlich braucht Eckhart Gäbel nur einen Rasenmäher. Aber dann kann er seinen Arm nicht unten halten und bietet immer weiter mit: beim Sonnenschirm, beim Gartentisch, bei der Astschere. Genug Platz hat Gäbel ja in seinem 1000-Quadratmeter-Garten in Siemensstadt. Und als der 68-Jährige zum Schluss auf seinen Zettel schaut, hat er nur 180 Euro ausgegeben. Inklusive zwölf Flaschen Rum sogar.

Alle Vierteljahre lädt das Hauptzollamt Berlin am Mehringdamm zur Versteigerung. An diesem Mittwoch sind es vor allem die Sommerartikel, für die sich die mehreren Hundert Auktionsteilnehmer im Saal interessieren: Fahrräder, Grills, Kühlboxen für Weinflaschen. Vorne an der Tür steht ein Whirlpool, mit zwei Metern Durchmesser und jeder Menge Düsen für Geblubber. Mindestgebot: 999 Euro. So heiß, wie es im Saal ist, werden sich die schwitzenden Bieter um das Ding reißen, sollte man meinen.

Viele der Gegenstände hat das Hauptzollamt gepfändet, etwa von Firmen, die ihre Einfuhrsteuern nicht bezahlt haben. Auch sichergestellte Schmuggelware ist darunter. Und „Tatwerkzeuge“, wie es der Mann vom Hauptzollamt nennt: Wenn ein Zigarettenschmuggler in Berlin von der Polizei auf frischer Tat ertappt wird und auf seinem Fahrrad fliehen will, kann es gut sein, dass das Rad hier landet. In letzter Zeit hatten die Schmuggler offenbar wenig Glück bei ihren Fluchtversuchen: Gleich 15 Räder werden diesmal versteigert.

565 Posten kommen insgesamt unter den Hammer. Das sind so viele, dass der Auktionator oft gar nicht bis drei zählt, bevor er den Zuschlag gibt. Am Ende werden trotzdem 33 000 Euro zusammenkommen. Klaus Hanel macht sich mit gleich drei Sonnenschirmen davon, 70 Euro hat er bezahlt. Die Schirme sind nicht für seinen eigenen Garten, sondern für die Vereinsterrasse des VFK 1901 in Charlottenburg. Da wird Speckbrett gespielt, eine Art Tennis, nur der Platz ist kleiner und der Schläger ein Holzbrett. Viel Geld hat der VFK nicht, aber jetzt zumindest Schirme, um sich nach Speckbrettspielen im Schatten zu erholen.

Für den Whirlpool bietet keiner. Vielleicht, weil niemand garantiert, dass die angebotenen Waren funktionieren. Und ein Whirlpool ohne Blubberfunktion ist eben nur eine Badewanne, und die bekommt man woanders günstiger. Der Pool wird jetzt ins Internet gestellt, auf www.zoll-auktion.de kann man ihn bequem von zu Hause ersteigern – wie andere Restposten auch: eine Golfausrüstung, Sonnenbrillen, Thermo-Reitstiefel oder die beiden Seidenteppiche aus dem Iran. 2000 Euro sollten die jeweils kosten. Vielleicht gehen sie ja bei der Herbstauktion weg.Sebastian Leber

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