• Handball und Tennis nach EM und Australian Open: Berliner Sportvereine hoffen auf Boom

Handball und Tennis nach EM und Australian Open : Berliner Sportvereine hoffen auf Boom

Nach den Erfolgen des Wochenendes hoffen Sportvereine auf Nachwuchs. Die Handballer allerdings haben im Moment besonders große Platzprobleme.

Christian Vooren
Weil einige Hallen zu Flüchtlingsunterkünften umfunktioniert wurden, wissen viele Vereine nicht, wo sie nun spielen sollen.
Weil einige Hallen zu Flüchtlingsunterkünften umfunktioniert wurden, wissen viele Vereine nicht, wo sie nun spielen sollen.Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Wer am Wochenende dabei zugeschaut hatte, wie die Handball-Nationalmannschaft sich gegen den Favoriten Spanien durchsetzte, der hielt es kaum auf dem Sofa aus. Doch noch schöner als Zuschauen ist bekanntlich Selbermachen. Das dürften auch die Berliner Vereine nun wieder bemerken. Bereits 2007, als die Deutschen die Handball-WM gewannen, registrierten die Vereine in den Tagen und Wochen darauf einen deutlichen Mitgliederzuwachs. Ähnliches erwartet der Präsident des Berliner Handballverbands, Thomas Ludewig, auch diesmal: „Das ist eine Riesenchance, die Euphorie in den Vereinen ist groß.“

Und dennoch, ungetrübt ist die Freude nicht. Weil einige Hallen zu Flüchtlingsunterkünften umfunktioniert wurden, wissen viele Vereine nicht, wo sie nun spielen sollen. Von den rund tausend Sporthallen in Berlin werden aktuell 63 als Notunterkünfte genutzt.

Was wenig klingt, hat große Wucht. „Wir mussten seit September etwa 1500 Spiele verlegen, weil die Hallen besetzt waren“, sagt Ludewig. Für den Handball sind die Konsequenzen besonders groß. Erstens sind die Sportler von 50 der mehr als 60 Hallenbelegungen betroffen und damit überproportional stark. Zweitens haben sie kaum Alternativen. „Wir brauchen die großen Hallen zum Spielen“, sagt Ludewig, „anders als vielleicht die Judoka können wir nicht auf andere Standorte ausweichen“.

Erst im Sommer freie Hallen

Dennoch werden die Handballer sich noch ein wenig gedulden müssen, denn frühestens im Sommer könnten erste Hallen wieder freigegeben werden. Aktuell sind mehr als 10 000 Flüchtlinge in den Hallen untergebracht. Umfangreiche Renovierungsarbeiten werden nötig sein, bevor der reguläre Sportbetrieb wieder aufgenommen werden kann.

Die Senatsverwaltung für Sport versucht, mit finanziellen Mitteln die Situation zu entschärfen. 1,5 Millionen Euro sind für den Schulsport gedacht, um Schülern Alternativen bieten zu können. Mit einer weiteren Million werden Ersatzräume für die Vereine angemietet und Transportkosten bezahlt.

Wenngleich eine wirkliche Entspannung der Lage nicht in Sicht ist, werde es für die Vereine wenigstens nicht noch knapper: „Es werden keine weiteren Hallen mehr zur Flüchtlingsunterkunft umfunktioniert“, sagt Sascha Langenbach, Sprecher der Senatsverwaltung für Gesundheit.

Tennis verzeichnet Zuwachs

Gelassen gibt man sich dagegen beim Berliner Tennis. Auch hier konnte Angelique Kerber am Sonnabend einen Erfolg für Deutschland verzeichnen. Sie gewann die Australian Open und damit als erste Deutsche seit 14 Jahren ein Grand-Slam-Turnier. Nun erhofft sich der Präsident des Tennisverbands Berlin-Brandenburg, Klaus-Peter Walter, ebenfalls einen Aufschwung. Dabei geht es dem Tennis in Berlin ohnehin gut. Entgegen dem Bundestrend verzeichnet der Verband kontinuierlichen Zuwachs.

Um mangelnden Platz müssen sich die Athleten indes nicht sorgen: Die 115 im Verband gelisteten Hallen werden nicht als Flüchtlingsunterkünfte umgenutzt, denn sie befinden sich allesamt in Vereinsbesitz. Wer hier auf einen Platz will, muss lediglich mit anderen Sportlern konkurrieren.

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