Handelsverband zur Sonntagsöffnung in Berlin : "Lassen Sie es uns doch versuchen"

Am zweiten Adventssonntag dürfen in Berlin die Geschäfte wieder öffnen. Der Handelsverband möchte dies gern ausweiten. Nils Busch-Petersen plädiert für eine allgemeine Sonntagsöffnung.

Nils Busch-Petersen
Der Einzelhandel in ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Berlin. Hier wird wieder über den Sonntagsverkauf diskutiert.
Der Einzelhandel in ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Berlin. Hier wird wieder über den Sonntagsverkauf diskutiert.Foto: Bodo Marks/dpa

Handel und Verbraucherverhalten haben sich in den vergangenen Jahren stark geändert. Aus diesem Grund plädiert der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, Nils Busch-Petersen, dafür, den Läden generell die Sonntagsöffnung zu gestatten. Sein Beitrag stammt aus dem Herbst dieses Jahres, als in Berlin verstärkt über die Sonntagsöffnung diskutiert wurde. Weitere Positionen von Verbänden, Gewerkschaften, Politikern und Kirchen finden Sie unter diesem Link.

Kennen Sie noch den „kupfernen“ Sonntag? So hieß früher der zweite Adventssonntag, an welchem Läden offen hielten und am vorweihnachtlichen Treiben der Innenstädte teilhatten. Es folgten der „silberne“ und schließlich der „goldene“ Sonntag für den Handel. Auch nach dem 1919 in Deutschland eingeführten Ladenschluss an Sonntagen stellte niemand diese Tradition in Frage. 10 Sonntage durfte jeder Laden öffnen, die Adventssonntage waren regelmäßig dabei. Seit 2006 dürfen die Bundesländer eigene Ladenöffnungsgesetze gestalten. Läden können in Brandenburg an 6 und in Berlin an 10 Sonntagen beim Vorliegen besonderer Anlässe öffnen. Leider sehen die gefundenen Kompromisse keine Möglichkeit vor, z.B. an allen Adventssonntagen für unsere Kunden handeln zu dürfen.

Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg.
Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg.Foto: Karl-Heinz Schindler/ picture alliance / dpa

Der Handel und das Verbraucherverhalten verändern sich schnell. Jede Ware ist für jedermann jederzeit an fast jedem Ort erhältlich – das Internet macht’s möglich. Der Sonntag ist online mit Abstand der stärkste Einkaufstag. Das muss nicht jedem gefallen, lässt sich aber nicht wegregulieren. Sonntags bestellt und montags geliefert – wer packt, wer transportiert? Die Besucherzahlen in allen deutschen Einkaufsstraßen sind entsprechend rückläufig, Sorgen um die Zukunft der Innenstädte wachsen neu herauf. Warum sollten wir nicht wenigstens versuchen dürfen, sie an sieben Tagen mit Leben zu erfüllen?

Der Berliner Handel lebt stark vom Städtetourismus

Gerade der Berliner Handel lebt stark vom Städtetourismus und unsere Gäste verstehen nicht, warum sie hier nicht wie in London, Warschau oder New York shoppen dürfen.

In unseren Läden machen wir sonntags die Erfahrung, dass Familien diese Nachmittage gemeinsam gestalten, der Einkauf ein Stück Freizeitkultur ist. Wir sind in der Lage, offene Sonntage ausschließlich mit freiwillig tätigen Mitarbeitern anzubieten. Unsere Tarifverträge schützen Personal, welches Probleme hat, an Sonntagen zu arbeiten.

Versuchen wir es doch, dem Handel in den Städten und in der Hauptstadt mehr Freiheiten zu geben, dann für die Kunden öffnen zu dürfen, wenn sie es wollen, also auch sonntags.

Das Abendland geht dadurch nicht unter, zu viele Nachbarn in Europa beweisen es.

Warum kann ich eigentlich sonntags ungehindert Restaurants aufsuchen und mich dort bekochen und bedienen lassen? Haben wir nicht alle einen heimischen Herd?

Immer sonntags nach der Predigt? Wir fänden es gut

Oft wird uns von einer 1700-jährigen Tradition des Sonntagsladenschlusses erzählt. Die gibt es so aber nicht. Wie entspannt ging es doch bei uns im Mittelalter zu. Ich schlage vor, sich einfach der Polizeiverordnung des Abtes Matthäus von (Kloster) Zinna aus dem Jahre 1540 zu besinnen. Danach untersagt dieser den Krämern von Luckenwalde, ihre Läden sonntags vor Beendigung der Predigt zu öffnen „damit nicht die Leute …vom Göttlichen abgezogen werden.“ Immer sonntags nach der Predigt? Wir fänden es gut!

Nils Busch-Petersen ist Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

37 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben