• Handwerker in der Krise: "Man muss die Warnsignale frühzeitig erkennen" - Im Gespräch: Der Obermeister der Bauhandwerker Klaus Schönebeck

Berlin : Handwerker in der Krise: "Man muss die Warnsignale frühzeitig erkennen" - Im Gespräch: Der Obermeister der Bauhandwerker Klaus Schönebeck

Hat Sie ein Bauherr schon einmal fast ruiniert?

Seit mehr als 30 Jahren ist Klaus Schönebeck Chef einer klassischen Baufirma mit rund 30 Arbeitern in Treptow. Darüber hinaus engagiert er sich als Obermeister der Baugewerksinnung. Christoph Stollowsky sprach mit ihm über den Kampf mit säumigen Bauherrn.

Hat Sie ein Bauherr schon einmal fast ruiniert?

Das blieb mir Gott sei Dank erspart. Aber eine Menge Geld habe ich schon verloren. Das Maximum waren 170 000 DM für Um- und Ausbauten an einem Altbau. Wir hatten den Auftraggeber verklagt, der setzte sich ins Ausland ab ...

Waren Sie zu gutgläubig?

Man ist natürlich verführt dazu, schließlich müssen wir angesichts der Flaute in der Bauwirtschaft auf jeden Auftrag hüpfen. Um finanziellen Gefahren auszuweichen, versucht man die Warnsignale frühzeitig erkennen. Diese Erfahrung fehlt besonders jüngeren Kollegen, die im Schnelldurchgang eine Firma gründen. Sie verlangen auch zu selten Abschlagszahlungen. Die Handwerksverbände können ihren Mitgliedern auch keine Patentrezepte geben.

Wie lässt sich die Gegenwehr verbessern?

Die Aussichten sind nicht allzu gut, denn sehen Sie: Wir verkaufen keine Schrippen. Der Bäcker kassiert Cash für Ware, wir liefern ein kompliziertes Produkt und erbringen jede Menge Vorleistungen, bis wir den ersten Pfennig sehen. Der Auftraggeber kann sich allein einen knappen Monat Zeit nehmen, um die Rechnung zu prüfen, wir müssen als Handwerker schnell funktionieren. Das ist ein Ungleichgewicht, da komme ich mir manchmal hilflos vor und frage: Hat uns der Rechtsstaat verlassen?

Sind die Handwerker nicht selbst schuld an ihren Problemen? Viele Kunden beklagen schlampige Arbeit und überhöhte Rechnungen ...

Diese Leute haben oft Billiganbieter beauftragt. Sie ließen sich Angebote anfertigen - und schwupps gab es in Konkurrenz zu einer seriösen Innungsfirma noch eine scheinbar günstigere Chance. Sie haben den Ärger selbst verursacht, können ihn aber manchmal gar nicht äußern. Bis sie sich beschweren, ist die Firma schon wegen Unfähigkeit pleite. Qualität hat eben ihren Preis.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben