• Handwerkskammer wirbt um Lehrstellen und meldet Erfolge 200 Plätze wurden in Betrieben geschaffen, die bisher nicht ausbildeten

Berlin : Handwerkskammer wirbt um Lehrstellen und meldet Erfolge 200 Plätze wurden in Betrieben geschaffen, die bisher nicht ausbildeten

Industrie- und Handelskammer erwartet fünf Prozent mehr Angebote

Sigrid Kneist

Die verstärkten Bemühungen der Handwerkskammer um mehr Ausbildungsplätze in Berlin zeigen erste Erfolge. Vor zwei Wochen hatte der Berliner Handwerkskammer-Präsident Stephan Schwarz angekündigt, dass 500 neue Lehrstellen eingeworben werden sollen. Bis gestern konnte die Kammer schon 200 Ausbildungsplätze in Berliner Betrieben akquirieren, die bisher keinen Lehrling hatten. Heute will das Deutsche Handwerk eine erste bundesweite Bilanz ziehen, wie sich der im Juni geschlossene Ausbildungspakt ausgewirkt hat. Am 1. September beginnt das neue Lehrjahr.

„Das ist ein erster Erfolg, wir dürfen trotzdem nicht in unseren Bemühungen nachlassen“, sagte gestern Handwerkskammer-Sprecherin Almuth Draeger. Denn gerade im Berliner Handwerk ist nach Angaben von Kammer-Präsident Schwarz die Situation aufgrund der schlechten Konjunktur besonders angespannt, so dass immer mehr Betriebe keine Ausbildung mehr bieten können. So ist trotz der Lehrstellenoffensive zweifelhaft, ob im Bereich der Handwerkskammer die Vorjahreszahlen von rund 6200 Ausbildungsplätzen erreicht werden können.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) hingegen schaut vorsichtig optimistisch in die Zukunft. Sprecher Stefan Siebner geht davon aus, dass in diesem Jahr gut fünf Prozent mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen werden können als im Vorjahr. 2003 begannen im IHK-Bereich rund 11000 Jugendliche eine Berufsausbildung. Im Frühjahr sah es nicht so aus, als ob dieses Ziel erreicht werden könnte. „Viele Betriebe hielten sich damals wegen der Unsicherheit in Bezug auf die Ausbildungsplatzabgabe zurück“, sagte Siebner. Erst als das Vorhaben auf Eis gelegt war und der Ausbildungspakt zwischen Bundesregierung und Wirtschaftsverbänden vereinbart, hätten sich die Betriebe vermehrt dazu entschlossen, Lehrlinge einzustellen. „Und dies, obwohl die wirtschaftliche Situation in Berlin nicht gut ist“, sagte Siebner. Bis Anfang August lagen der IHK 5315 Lehrverträge vor, das sind 112 mehr als zum gleichen Zeitraum des Vorjahres. Wirtschaftssenator Harald Wolf geht ebenfalls davon aus, dass der Ausbildungspakt die angespannte Situation auf dem Lehrstellenmarkt verbessern wird.

Die zuversichtlichen Einschätzungen teilt der DGB nicht. Vize-Landeschef Bernd Rissmann kritisiert, dass das Engagement der Kammern zu spät kommt. In diesem Jahr suchen nach Angaben der Arbeitsagenturen 28300 Jugendliche einen Ausbildungsplatz. Ende Juli hatten noch 10700 keine Lehrstelle gefunden. Dem standen 2560 gemeldete freie Plätze gegenüber. Um die Lehrstellenlücke zum Jahresende zu schließen, wird es 5500 geförderte Plätze geben.

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