Berlin : Handy am Steuer wird selten teuer

Trotz der Strafverschärfung halten sich nur wenige an das Verbot. Die Polizei will jetzt stärker kontrollieren

Jörn Hasselmann

Es gibt kaum eine Verkehrsregel, die so oft und offenbar ohne jedes Unrechtsbewusstsein missachtet wird wie das Handyverbot am Steuer. Trotz der seit 1. April geltenden Verschärfung der Strafe – es kostet jetzt 40 statt 30 Euro sowie nunmehr einen Punkt in Flensburg – wird das Verbot „erschreckend oft missachtet“, wie es bei der Polizei hieß. In den ersten drei Tagen der Woche hat die Polizei bei stadtweiten Sonderkontrollen insgesamt 851 Autofahrer erwischt, die ohne Freisprecheinrichtung telefonierten. Die 24 beim Telefonieren erwischten Radfahrer müssen 25 Euro zahlen, einen Punkt bekommen sie jedoch nicht.

Die Strafverschärfung auf 40 Euro hatte die Berliner Polizei schon Wochen nach der Einführung des Telefonierverbots vor drei Jahren gefordert – denn schnell stellte sich heraus, dass das Verbot von den meisten ignoriert wird. Doch geändert hat sich auch jetzt nichts – gilt doch das Entdeckungsrisiko als verschwindend gering. Daran kann auch die dreitägige Sonderkontrolle wenig ändern. Allerdings kündigte die Polizei gestern eine Intensivierung der Überwachung an. Im vergangenen Jahr hatte es monatlich nur etwa 1000 Anzeigen gegeben – in der dreitägigen Sonderkontrolle wurden nun fast ebenso viele erwischt. Und noch eine Beobachtung der Verkehrspolizei aus dieser Woche: Wer am Steuer telefoniert, ist oft auch nicht angeschnallt. Insgesamt wurden 2365 Fahrer in diesen drei Tagen ohne Gurt erwischt, die Sünder müssen 30 Euro zahlen.

Telefonieren während der Fahrt vervielfacht das Unfallrisiko, das haben mehrere Studien nachgewiesen. Eine Studie der Uni Bremen für den ADAC fand heraus: Fahrer ohne Handy machen zwei Fehler, mit Freisprecheinrichtung neun Fehler und mit Handy 21 Fehler bei der Testfahrt: Die Teilnehmer bremsten falsch, blickten beim Abbiegen nicht nach hinten, kamen von der Spur ab, legten den falschen Gang ein und übersahen Stoppschilder. Sämtliche Kandidaten waren anschließend jedoch davon überzeugt, sie seien fehlerfrei gefahren.

Mit Fahren und Telefonieren sei das Gehirn einfach überfordert, sagen Experten. Andere europäische Länder haben deutlich höhere Strafen. Trotz der eigenen Studie, nach der auch mit Freisprecheinrichtungen das Unfallrisiko stark steigt, lehnt der ADAC ein generelles Telefonierverbot im Auto ab. Der Automobilclub empfiehlt zum Telefonieren im Auto fest eingebaute Freisprecheinrichtungen oder zumindest eine so genannte Plug-and- Play-Anlage, die in den Zigarettenanzünder gestöpselt wird. Die relativ günstigen „Head-Sets“ seien zwar vom Gesetzgeber als Freisprechanlagen anerkannt, sie sind nach ADAC-Angaben jedoch nur bedingt autotauglich. Für Radfahrer dagegen sind diese Kopfhörer-ähnlichen Geräte die einzige legale Telefonier-Möglichkeit.

Autofahrer dürfen das Handy nur in die Hand nehmen, wenn der Motor ausgeschaltet ist; ein kurzes Gespräch im Stau oder vor der Ampel ist verboten. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hatte das Telefonierverbot schon zu Beginn als Fehlschlag kritisiert, da es nicht kontrolliert werden könne. Das Risiko entdeckt zu werden, sei „gleich Null“. Der Gesetzgeber sollte aus GdP-Sicht die Autohersteller verpflichten, alle Pkw mit Freisprecheinrichtungen auszustatten. Den hartnäckigen Handy-Benutzern will die GdP den Spaß mit Störsendern verderben.

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