Hanna-Renate Laurien : Leise von uns gegangen

Berlin hat Abschied genommen von Hanna-Renate Laurien. Ein Pontifikalamt mit Georg Kardinal Sterzinsky in der St.Hedwigskathedrale bildete am Montag abend den Abschluss der Trauerfeierlichkeiten für die populäre Politikerin.

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Laurien starb am 12. März im Alter von 81 Jahren – eine letzte Erinnerung an eine streitbare, entschlossene und herzliche Frau, die sich in der Politik ebenso engagierte wie in den Gremien der katholischen Kirche. Sie habe oft über ihre Kräfte gearbeitet, sagte Sterzinsky, weil sie dies als ihre Pflicht gesehen habe, „ihren Einsatz für die Teilhabe aller hat sie verstanden als den Dienst an Gott“.

Parlamentspräsident Walter Momper erinnerte an seine Vorgängerin als temperamentvolle, resolute und kämpferische Frau, ebenso durchsetzungsfähig wie charmant, „hart in der Sache, aber herzlich im persönlichen Umgang“. Sie habe über Parteigrenzen oft erfrischend unkonventionell agiert und dabei immer wieder überrascht. Als erste Gesamtberliner Parlamentspräsidentin habe sie dazu beigetragen, mit gesundem Menschenverstand und wachem Pragmatismus die Bürger beider Stadthälften zusammenzuführen. „In dieser Zeit hat sie auch jene für sich gewonnen, die vorher Bedenken hatten, das Präsidentenamt einer so streitbaren Frau anzuvertrauen“, sagte Momper. „Leise ist sie von uns gegangen, aber Großes hat sie uns hinterlassen“.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit sprach von einer Frau, die nicht nur selbst glücklich war, sondern auch die Gabe hatte, anderen Menschen Freude zu bereiten mit ihrer Fähigkeit, sich resolut für ein Ziel einzusetzen und andere auf dem Weg dorthin mitzunehmen. „Man spürte immer, wie sehr sie im christlichen Glauben verwurzelt war, der ihr Kraft und Inspiration gab und ihr Bild vom Menschen prägte.“ Wowereit erinnerte auch an ihren ersten politischen Erfolg, die Mitarbeit an der Gründung der Freien Universität Berlin: „Für die Freiheit muss man sich einsetzen, sie tat es ihr Leben lang.“

Als Wolfgang Klose, der Vorsitzende des Berliner Diözesanrats, also der Laienorganisation der Katholiken, Hans Küng zitierte, gab es sogar Beifall: „Gäbe es in der katholischen Kirche die Frauenordination, hätte Hanna-Renate Laurien zweifellos das Zeug zur Bischöfin gehabt.“ Sie habe die Welt nicht nur in der Politik, sondern auch in der Kirche gestaltet. Er erinnerte daran, dass sie als Vizepräsidentin der Würzburger Synode mit den Bischöfen leidenschaftlich darum gestritten habe, die Beschlüsse des 2. Vatikanischen Konzils in die Tat umzusetzen; Themen wie die Schwangerschafts- und Konfliktberatung oder die Priesterweihe für Frauen standen dabei im Mittelpunkt. Ihre Bereitschaft, heiße Eisen anzufassen, sei bewundernswert gewesen.

Auch Barbara John, die auf Laurien als Vorsitzende des Berliner Katholischen Frauenbunds folgte, erinnerte an die Zähigkeit, mit der ihre Vorgängerin konkrete Schritte zugunsten des Priesteramts für Frauen einforderte: „Die ersten Diakoninnen, bald wird es soweit sein, werden ihr dafür danken“. Der Frauenbund sei dankbar, dass er so lange von der Unerschrockenheit und der Erfahrung von Frau Laurien profitieren durfte, sagte Barbara John. Wer ihrem wachen Blick und ihrem wachen Spott begegnet sei, der werde sie im Sinn und im Herzen behalten. Bernd Matthies

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