Hanns Peter Nerger : Millionen Freunde für Berlin geworben

Hanns Peter Nerger, Chef der Tourismus-Marketing-Gesellschaft, geht. Aber nicht in den Ruhestand – er leitet künftig die Stiftung seiner Familie.

Lothar Heinke
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Hanns Peter Nerger vor dem Brandenburger Tor. -Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Hanns Peter Nerger, der Chef der Berlin-Tourismus-Marketing-Gesellschaft, wird Mittwochabend feierlich im Roten Rathaus verabschiedet. Der Regierende Bürgermeister preist, wie man sich denken kann, die Erfolge, die Nergers 15-jähriges Wirken der Stadt gebracht hat: Das Haus ist gut bestellt, Mister Berlin kann frohen Herzens gehen. 1993, als er aus Travemünde an die Spree kam, verzeichnete die Statistik 7,3 Millionen Übernachtungen in 40 000 Berliner Hotelbetten. Jetzt werden fast 18 Millionen Übernachtungen in 90 000 Betten gezählt – und dabei ist die „Dunkelziffer“ derjenigen, die bei Freunden, Verwandten und in Appartements irgendwann in der Nacht ihr Schlafzimmerlicht gelöscht haben, noch gar nicht dabei.

Natürlich ist es die Neugier auf die aufregende Stadt, die die Leute in Scharen nach Berlin fliegen und fahren lässt – aber muss man nicht ständig die Trommel rühren und der Welt erklären, weshalb sie etwas verpasst, wenn sie nicht hierherkommt? Genau das hat Hanns Peter Nerger getan: jede Woche eine Pressekonferenz zwischen Alaska und Feuerland, ein Leben im Flugzeug und im Hotel, Kongresse, Zahlen, Statistiken, immer neue Ideen für ein eingespieltes Team in den BTM-Büros Am Karlsbad. Schon mit seiner stattlichen Statur war Nerger eine Autorität, ohne autoritär zu sein – der Mann mit dem Einstecktuch im dunklen Zweireiher ist nicht das ruppige Berlin, sondern eher das, was die Leute hierherzieht: die Metropole der Theater und Museen, der Kultur und Bildung und der Kreativität.

„Das Amalgam aus Nostalgie und Moderne ist Peter Nergers Marketingprinzip. Er möchte die urbane Monostruktur durchkreuzen und Hochkultur und Kommerz, Szenekultur und Cafés, Läden und Hotels zu einem pulsierenden Organismus der Metropole verschmelzen. Enthusiasmus heißt sein Treibsatz, der seine 160 Mitarbeiter in Deutschland und den USA befeuert“. Das steht in einem Buch über den Mäzen Bruno H. Schubert, Nergers Vater, Ehrenbürger von Frankfurt am Main und Unternehmer, der die Henniger-Brauerei zu einem Weltunternehmen gemacht hat und nun, mit 89, seine menschenfreundliche Stiftung in die Hände des 61-jährigen Sohnes legt.

Wenn der in diesen Tagen zurückblickt, dann sagt er, die Neugier am Wachsen Berlins war der Hauptanlass, warum man hergekommen ist. Wiederholungsfaktor: riesig. 2009 mit seinen Jubiläen bricht alle Rekorde. Was noch ein wenig fehlt, ist die Akzeptanz Berlins als Hauptstadt. „Der Deutsche in Düsseldorf und München sollte sagen: Ich liebe meine Stadt, aber ich bin auch stolz auf die Hauptstadt meines Landes“. Kein Vergleich zu den zentralistischen Strukturen in England oder Frankreich, „da sind wir noch weit entfernt“. Ein Kollege aus Paris hat Nerger einmal gesagt, das Image Berlins habe sich vom übrigen Deutschland verabschiedet. Der Berliner lebt nach dem Motto einer ungezwungenen Zeit: Das Laissez-faire hat er verinnerlicht, das zeichnet ihn aus. Vielleicht weiß er das nicht einmal.

Nergers Nachfolger wird Burkhard Kieker, bislang BBI-Flughafensprecher. „Es ist gut, dass in diesem kreativen Job mal ein Wechsel stattfindet“, sagt Nerger. „Da kommen sicher neue Impulse.“ Der alte BTM-Chef bleibt erst einmal Berlin treu, ihm wird nichts fehlen (sagt er), „ich will mal wieder ein bisschen privat reisen. Eifel, Sauerland. Schwäbische Alb. Einfach wieder die Jahreszeiten in Deutschland genießen – für Bali besteht überhaupt kein Interesse“.

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