Berlin : Hans Christian Andersen: Ein Däne in Berlin

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"Ich kann nichts dafür, allein es ist wahr, Berlin behagt mir übel. Alles ist darauf angelegt, zu frappieren; doch sind die Häuser nicht so hoch, sondern auseinander gezogen, damit die Straßen desto länger wurden." Architektonisch vermochte die preußische Residenz den 26-jährigen Hans Christian Andersen nicht zu überzeugen, als er 1831 zum ersten Mal an die Spree reiste. Die Bühnen schon eher, drei Theaterbesuche in nur fünf Tagen sind verbürgt, dazu eine Visite im Schinkel-Bau am Lustgarten, damals noch kein Altes, sondern ein so gut wie neues Museum.

An Andersens Berliner Reminiszenzen knüpft die kleine Doppelausstellung an, die am Freitagabend im Museum Kindheit und Jugend, einem Zweig des Stadtmuseums, rechtzeitig zur Adventszeit eröffnet wurde. Neben seinen berühmtesten Kunstmärchen vom standhaften Zinnsoldaten, vom hässlichen Entlein, der Prinzessin auf der Erbse oder der Seejungfrau hat er auch den "Tannenbaum" besungen, Anreiz genug, seiner in diesen Wochen zu gedenken.

In Berlin hat Andersens internationaler Ruhm begonnen. Mit einem Empfehlungsschreiben hatte er sich an den Dichter Adalbert von Chamisso gewandt und war sehr freundlich empfangen worden. Der Autor des "Peter Schlemihl" erkannte die Qualität der ihm von Andersen gezeigten Gedichte, übersetzte später drei davon.

Eine Kutsche im Andersen-Raum steht nun für seine Reiselust, Marionetten und ein Papiertheater aus dem 19. Jahrhundert zeugen von seiner Theaterleidenschaft. Es gibt Bilder von Leuten, die er damals in Berlin traf, dazu ausgewählte Werke des Dänen, Schreibutensilien, wie man sie damals nutzte. Im Nebenraum geht es unter anderem mit Computerspielen nach Andersen-Märchen weiter, im Mittelpunkt stehen dort aber die 13 Weihnachtsmänner Islands, Söhne der sagenhaften Mutter Gryla, die auf der eisigen Insel im Mittelpunkt der Weihnachtsbräuche stehen. Von deutschen Traditionen sind sie sehr verschieden: Die Männlein treiben weitgehend Schabernack.

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