Berlin : Hans Eichel bezog sein neues Ministerium an der Wilhelmstraße

Carsten Germis

Eberhard Diepgen versuchte, die Chance zu nutzen. An seinem ersten Arbeitstag im neuen Amtssitz in Berlin dürfte Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) gut gelaunt sein, dachte er sich - und damit vielleicht dem einen oder anderen finanziellen Begehren Berlins aufgeschlossener als bisher. Jedenfalls begrüßte der Regierende Bürgermeister den obersten Sparkommissar der Republik am frühen Montag im Foyer des Detlev-Rohwedder-Hauses an der Wilhelmstraße nicht nur mit den obligatorischen freundlichen Worten, sondern auch "mit einer Reihe von Wünschen".

Dazu gab es als Willkommensgeschenk einen blaubespannten Schirm mit dem Motiv des Brandenburger Tores. Auf "dass Sie Berlin nie im Regen stehen lassen", meinte Diepgen. Eichel lachte, nahm den Schirm. Zusagen finanzieller Art ließ er sich jedoch nicht entlocken.

Mit Hans Eichel hat am Montag der Leitungsstab des Finanzministeriums seine Arbeit in Berlin begonnen. Etwa 700 Mitarbeiter sollen in der ersten Stufe am neuen Amtssitz tätig sein. Die 100, die gemeinsam mit dem Minister ihren ersten Arbeitstag hatten, wurden am Eingang von ihren Kollegen des "Umzugsteams" eingeweiht. "Wir weisen die Räume zu, schauen, dass die Leitungen geschaltet sind", berichtete Renate Höffgen, eine der vier vom Umzugsteam.

Die sorgsame Kontrolle galt auch für den Minister. Bevor es weiter in sein Arbeitszimmer mit der Raumnummer 4358 ging, musste auch er sich ordnungsgemäß melden. "Wir müssen doch feststellen, ob und wo noch einer fehlt", meine Renate Höffgen. Sie selbst wird übrigens nicht auf Dauer mit nach Berlin kommen, sondern weiter in der Bonner Außenstelle des Ministeriums bleiben.

Eichel gab in seiner kurzen Begrüßungsrede "einen Gruß zurück nach Bonn, wo es sehr schön war". Doch der Weg nach Berlin sei für ihn "auch ein bisschen Rückkehr". Schließlich habe er hier studiert, erzählte er, und damals auch Eberhard Diepgen kennengelernt. Der war zu der Zeit Vorsitzender des AStA an der Freien Universität, und Eichel hat ihn "von Linksaußen" angegriffen.

Im Amtszimmer des Ministers sah es am ersten Tag noch recht kahl aus. Ein großer Schreibtisch mit silberfarbener Oberfläche, ein Besprechungstisch, aber noch kein Wandschmuck. "Erst die Akten, dann der Schmuck", meinte Eichel. Moderne Malerei will er sich für die Wände aussuchen, kündigte er an. Solange muss er aus dem Fenster auf den benachbarten Gropiusbau sehen, wenn er den hellen kahlen Wänden ausweichen will.

Vorerst wird Eichel sich im neuen Büro aber weiter in erster Linie seinen Akten widmen müssen.

In der kommenden Woche kommt der Bundeshaushalt mitsamt Sparprogramm ins Bundeskabinett. Manche Einzelheit ist dabei allerding noch offen. Schonfrist haben der Minister und seine Mitarbeiter in Berlin sicherlich nicht.

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