Berlin : Hans Wall streitet mit Bezirksamt: Alle Brunnen schweigen still

Berlin ist derzeit alles andere als flüssig -

Berlin ist derzeit alles andere als flüssig - das gilt auch für die 44 Brunnen in Berlins neuem Regierungsbezirk Mitte. Sie bleiben in diesem Frühjahr voraussichtlich trocken. Der Grund: die Haushaltssperre des Senats. Herr Wall, als stadtbekannter Betreiber von City-Toiletten und beleuchteten Werbetafeln haben Sie Mitte angeboten, sämtliche Brunnen für 20 Jahre zu betreiben. Als christdemokratischer Stadtrat für Wirtschaft, Bauen und Immobilien haben sie dieses Angebot jedoch abgelehnt, Herr Lamprecht. Woran ist das Vorhaben gescheitert?

Hans Wall: Ich habe den Eindruck, dass die Verwaltung in Mitte noch funktioniert, wie zu Kaisers Zeiten und das dem Bezirk das Erscheinungsbild der Hauptstadt völlig gleichgültig ist. Aus den Einnahmen für die Werbeflächen, die der Bezirk uns im Gegenzug genehmigen soll, wollen wir die dringend notwendige Renovierung für die vielbesuchte Toilettenanlagen auf dem Alexanderplatz und vor dem Roten Rathaus finanzieren. Diese Toiletten sind in einem grauenhaften Zustand und werden massenhaft besucht, vielfach von Touristen und Schulklassen auf Berlinfahrt. Wir sind die vertraglichen Betreiber, brauchen aber rund eine Millionen um sie in einen repräsentativeren Zustand zu versetzen. Aber dem Bezirk ist das offenbar gleichgültig, weil Verwaltungsinterne Hierarchien Vorrang haben.

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Dirk Lamprecht: Der entscheidende Grund sind unsere schlechten Erfahrungen. Unser Verhältnis zur Firma Wall ist äußerst getrübt: Zur Zeit läuft ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen Wall, weil auf dem Mittelstreifen der Neuen Potsdamer Straße seit dem 2. Februar zwei Lightboards illegal betrieben werden. Zudem warten wir bisher vergebens auf die 1998 zugesagte Belebung des Mittelstreifens Unter den Linden durch Stadtmöbel der Firma Wall. Bisher steht dort nur eine Bude - das ist noch keine Belebung. Darüber hinaus ist der Bezirk bereits vollgestopft mit Werbung. Allein Wall betreibt hier 395 Plakatflächen. Das reicht.

Welche Leistungen und Gegenleistungen sah das Tauschgeschäft denn im Einzelnen vor?

Hans Wall: Für den Betrieb der 44 Brunnen, für den wir mit rund 800 000 Mark aufkommen würden verlangen wir im Grunde gar nichts. Der Brunnenbetrieb ist nur das Zusatzangebot, damit uns der Bezirk die fünf Standorte für Citylightboards gestattet, die zudem überwiegend an Ausfallstraßen stehen sollen. Damit wollen wir die Toilettenrenovierung finanzieren. Wenn wir dabei Minus machen, übernehmen wir das Risiko.

Dirk Lamprecht: Schon bei den veranschlagten Kosten für den Brunnenbetrieb muss ich widersprechen. Wir rechnen allein für den Betrieb von 30 Brunnen mit Kosten von 860 000 Mark. Doch nicht nur das: Die Firma Wall hat sich für die nächsten 20 Jahre zum Betrieb der Toiletten verpflichtet. Diese haben allerdings zugegebenermaßen einen noch ausgesprochen herben Ost-Charme. Wall möchte die Toiletten nun schließen und durch die Anlagen seiner eigenen Firma ersetzen. Damit hätte er zu den fünf geforderten Werbetafeln noch die Flächen auf den City-Toiletten für Werbung. Zudem befürchten wir, dass die Standorte, auf denen Wall die Lightboards für die nächsten 20 Jahre aufstellen will, im Verlauf des städtebaulichen Raumordnungsverfahrens nicht erhalten bleiben werden und der Bezirk dann Ersatzstandorte anbieten müsste.

Was haben sie nun vor? Ist eine Annäherung in Sicht? Oder ziehen Sie ihr Angebot beleidigt zurück, Herr Wall?

Hans Wall: Nein, unser Angebot besteht in jedem Falle fort. Wir werden weiter dafür kämpfen, dass Berlin wie eine internationale Metropole in Erscheinung tritt.

Dirk Lamprecht: Wir sind uns sicher, dass wir auch andere Sponsoren finden. Ich kann hier schon einmal verkünden, dass wir bereits jetzt einen Finanzier für den Betrieb des Brunnens auf dem Olof-Palme-Platz vor dem Elefantentor des Zoos gefunden haben.

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