Berlin : Harald und die kleinen Leute (Meinung)

Elisabeth Binder

Da feiern wir nun jeden Tag mit immer neuen Rekorden unseren frisch erlangten Status einer kosmopolitischen Metropole. Und dann sowas. Diplomaten, kreative Kids, Künstler, Unternehmer, alles wuselt durcheinander. Und dann bricht unser Harald (Juhnke) sein Konzert ab, weil die Sängerin an seiner Seite ausgebuht wird. Die Ursachenforschung verschluckte gestern so viel Druckerschwärze, dass man geradezu ins Grübeln gerät. War das wieder nur ein PR-Coup von einem Mann, der das Ende seiner Karriere immer wieder hinauszögern will? Wie würde einer reagieren, der Tickets für die Stones gekauft hat und sich dann Chris de Burgh anhören muss? Wobei wir nichts gegen die Stones oder Chris de Burgh sagen wollen. Die Moral von der Geschichte ist wohl eine andere. Harald hatte ja schon immer ein Herz für kleine Leute, wenn auch eher für nette kleine Leute und nicht für solche, die ihren Frust in rassistische Pöbeleien verwandeln.

Wohl doch ohne es zu wollen, hat er hier eine Spezies ins Rampenlicht gerückt, die langsam überrollt wird. Gartenzwerg und Spitzengardine und trotzdem ewig neidisch und unzufrieden. Fühlt sich vom Leben abgehängt, (in diesem rasenden Berlin sowieso), kann allenfalls in ihrer Kneipe noch auf dicker Macker machen. Aber die Kneipen werden ja auch überrollt.

Allen, die gerade voll dem Metropolenwahn verfallen sind, rät diese Eskapade zur Demut. Ja, wir haben eine kleinbürgerlich-proletarische Vergangenheit in dieser Stadt, und die hat ihre miefigen Aspekte. Da mag einer einwenden, dass das zur Folklore nun mal dazu gehört, dass man alteingesessene Minderheiten genauso tolerieren muss wie neu Angekommene. Peinlich ist es trotzdem. Sowas kommt halt in den besten neureichen Familien vor. Übrigens auch in neuberühmten.

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