HARALD MARTENSTEIN : Über Dichtung und Wahrheit

Schlagfertig. Harald Martenstein schreibt keine Kolumnen auf Halde, pflegt aber Rollenspiele. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Schlagfertig. Harald Martenstein schreibt keine Kolumnen auf Halde, pflegt aber Rollenspiele. Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Wohl kein Tagesspiegel-Autor tritt so häufig auf wie der Kolumnist und Schriftsteller Harald Martenstein, und auch diesmal erweist er sich als Publikumsmagnet: Der Saal ist Minuten vor Beginn schon völlig überfüllt. Martenstein liest vorab aus seiner Sonntagskolumne über merkwürdige Wahlslogans und weitere Kolumnen aus der Wochenzeitung „Die Zeit“. Die Gäste spenden oft Szenenapplaus und wollen vor allem wissen, wie die Texte entstehen. Wieviel Wahrheit steckt darin? Martenstein sagt, er bleibe „relativ genau“ bei den Tatsachen, nur manchmal sei künstlerische Freiheit nötig; so schlüpfe er zurzeit in die Rolle eines Berliner Wählers, obwohl er im Umland wohne und hier gar nicht wählen dürfe. Ob er einen großen Textfundus habe, fragt ein Leser. Nein, Martenstein hat „so gut wie nie etwas auf Halde“, zumal die Tagesspiegel-Kolumnen in der Regel einen ganz aktuellen Bezug hätten. „Zeitloses schreibe ich für die ,Zeit‘“, ulkt er. Kurz vor Redaktionsschluss schreibe er möglichst nie, das führe nur „zum Herzinfarkt“. Eine Zuhörerin, die sich einmal über eine Kolumne geärgert hatte, fragt nach dem Umgang mit Beschwerden. Provokationen seien unvermeidlich, sagt der Autor, sonst werde es ja langweilig. Und auf unflätige Briefe antworte er stets „im gleichen Ton“. Dann geschehe oft „ein Wunder“: Die schärfsten Kritiker meldeten sich erneut und fragten verblüfft, warum er sich denn so aufrege... CD

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